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#sentimjunts – Teil 3: Der erste Auftritt – Hem fet historia!

Die Bezeichnungen Auftritt und Probe sind eigentlich etwas irreführend. In Wirklichkeit sind die Auftritte knallharte Wettbewerbe, in denen man Punkte für das Jahresranking sammelt. Jedes Castell hat dabei unterschiedlich viele Punkte. Einen Teil der Punkte gibt es bei korrektem Aufbau (carregat) und die volle Punktzahl, wenn auch der Abbau (descarregat) noch klappt.

In den Proben (Trainings) werden die verschiedenen Castells ausführlich geübt, in der Hoffnung, dass sie dann auf dem Platz (wo der Wettbewerb stattfindet) auf- und abgebaut werden können.

Die Bezeichnungen Auftritt und Probe kommen daher, dass die Castells aus den Valenzianischen Tänzen (und die wiederum aus den Moixiganga) hervorgegangen sind und es zunächst wirklich nur Auftritte waren.

Am letzten Sonntag war es dann soweit. Wir waren bei unserem ersten Auftritt dabei. Und dieser sollte gleich zu einem der besten werden, den die Colla Jove dieses Jahr bislang hatte. Mich überkommt aber die Vermutung, dass es da nicht primär an uns beiden lag. Trotzdem war das ein legendäres Erlebnis.

Alle Mitglieder der Colla versammeln sich zunächst im Vereinshaus:

Anke vor dem Lokal der Colla (am Tag danach)
Anke vorm Lokal der Colla (am Tag danach)

Dann geht es in weißen Hosen mit Faixa und lila Hemd zum Platz, wo der Wettbewerb stattfindet. Voran laufen die Musiker und untermalen den Einmarsch. In unserem Fall waren das nur ca. 100 Meter vom Vereinshaus zum Platz und da fast 300 Mitglieder dabei waren, hat sich der komplette Weg kurzfristig lila gefärbt.

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Moixiganga

Bevor Anke mit dem dritten Teil unserer Erlebnisse bei der Colla Jove Xiquets de Tarragona weiter macht, dränge ich mich mal kurz dazwischen mit dem im Kommentar zum zweiten Teil versprochenen Bild einer Moixiganga-Aufführung.

Die Moixiganga sind eine Tradition aus dem 15. Jahrhundert und können als Vorläufer der Castells betrachtet werden. Es handelt sich dabei um eine getanzte Repräsentation der Passion Christi.

Am 22. September führten die So Nat, Grallers de Tarragona anlässlich des Santa-Tecla-Festes eine Moixiganga auf dem Plaça de les Cols auf.

Moixiganga auf dem Plaça de les Cols in Tarragona am 22.09.2016
Moixiganga auf dem Plaça de les Cols in Tarragona am 22.09.2016

#sentimjunts – Teil 2: Faixa und das erste Training

Hauptaufgabe der Faixa ist es, dem Casteller zu helfen, die „Haltung“ zu bewahren. Der lange feste Schal wird dafür sehr eng merhfach um die Taille gebunden. Ab diesem Punkt geht man sofort von der tiefen Bauchatmung in die Brustatmung über und man kann das Gewicht, das auf einem liegt, besser verteilen.

Faixa
Andreas bindet sich die Faixa um.

Da die Faixa das wichtigste Ausrüstungstück eines Castellers ist, war auch das der Teil, den wir beim Training als erstes erklärt bekommen haben.

Das Training ist definitv anders als sich das die meisten Leser vorstellen! Aktuell hat die Colla Jove ca. 350 Mitglieder, von denen mindestens die Hälfte bei unserem ersten Training dabei waren. Dementsprechend voll und zunächst chaotisch war die Trainigshalle.

Vor dem Eingang haben ein paar etwas ältere Damen den Verkaufsstand und die Haupttür der Halle war offen, so dass die Mitglieder konstant zwischen Halle und Straße davor hin und her gingen.

Wenn man in die Halle kommt, fallen einem schnell ein paar Leute auf, die mit Klemmbrettern und komplexen geometrischen Zeichnungen auf Papier in den Ecken stehen und suchend umhersehen. Alle paar Minuten kritzeln sie etwas auf ihr Papier und schreiben Namen in kleine Kästchen. Die Leute sind vom „Equip de pinyes“ (dem „Ananas-Team“) und ordnen die Mitglieder nach ihrer Größe und Stärke in die Pinya ein.

Die Pinya ist die Basis eines jeden Castells, fängt einen Teil des Gewichtes ab und sorgt für Stabilität.

Auf dem Bild unten sieht man noch die Folre. Diese gibt zusätzlich Stabiltiät und wird bei sehr hohen Castells benutzt.

Die ersten Trainings bestanden vor allem daraus, die Pinya zu verstärken. Für eine ehemalige Westfälin eine durchaus gewöhnungsbedürftige Aktion. Man steht sehr sehr eng gedrückt nebeneinander und versucht der Konstruktion möglichst Stabilität zu geben. Nach kurzer Zeit wird es unglaublich heiß und man schwitzt konstant. Aus Sicherhheitsgründen hält man den Kopf nach unten und bekommt vom gesamten Castell nur die Anweisungen des Trainers mit. Wenn es eine Folre (also eine Pinya in der zweiten Etage) gibt, dann steht auch mal jemand auf einem drauf. Bei langen Haaren erweisen sich die roten Tücher als Kopftuch als sehr praktisch. Wer hat schon gerne Leute auf seinen Haaren stehen.

In Teil drei folgt ein ausführlicher Bericht über die ersten Auftritte.

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#sentimjunts – Wir machen Menschenpyramiden bei den Castellers – 1. Teil

In anderen Blogeinträgen haben wir schon über die katalanischen Tradition der Castells berichtet.

Die Tradition hat uns über die Jahre so begeistert, dass in mir der Wunsch gewachsen ist, das mal zu lernen. Tarragona ist wahrlich der beste Ort, da dort zwei der drei besten Collas (Vereine) sind. September ist darüber hinaus der Monat mit den meisten Auftritten und Veranstaltungen, so dass man auch gleich die Chance hat viel zu erleben.

Eine Email mit der kurzen Frage, ob ich mal mitmachen dürfe, wurde innerhalb von 15 Minuten mit: „Ja klar, komm vorbei“ beantwortet.

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Castells

Gestern zeigten aus Anlass der Festes de Santa Tecla die vier Gruppen Xiquets de Tarragona, Colla Vella dels Xiquets de Valls, Castellers de Vilafranca und Colla Jove de Tarragona wieder Castells auf dem Plaça de la Font in Tarragona.

Wir standen dieses Jahr nur wenige Meter von den Castellers de Vilafranca entfernt und konnten aus nächster Nähe beobachten, wie ein 3de10fm aufgebaut wurde, ein Castell des höchsten Schwierigkeitsgrads!

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Aber das waren natürlich nicht das einzige Castell. Es folgen ein paar Eindrücke.

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Pilars Caminants

Ähnlich wie die Castells gehören auch die Pilars Caminants, die „laufenden Säulen“, zur Tradition der Menschentürme. Zwar sind die Pilars nicht so hoch und aufwändig wie die Castells, aber dafür müssen sie nicht still an einer Stelle bleiben! Aus Anlass des Festes der Santa Tecla üben derzeit die Xiquets de Tarragona öffentlich an der Kathedrale von Tarragona wie hier auf dem Foto von gestern Abend. Selbst die Treppen meistern sie perfekt!

Pilar Caminant der Xiquets der Tarragona an der Treppe der Kathedrale von Tarragona
Pilar Caminant der Xiquets der Tarragona auf der Treppe der Kathedrale

Santa Tecla 2014 in Tarragona: Castells

Heute begann in Tarragona das diesjährige Santa Tecla-Fest.

Offizielles Logo Santa Tecla 2014

Wie jedes Jahr war einer der ersten Programmpunkte heute Mittag um 12 Uhr das Bauen von Castells. Verschiedene Castellers-Gruppen zeigten absolut spektakuläre Türme, die so erst wenige Male in der Geschichte probiert wurden und es in einigen Fällen noch nie gelungen ist, sie unfallfrei auch wieder abzubauen.

Die Bezeichnung der Castells richtet sich im wesentlichen nach der Anzahl der Castellers pro Stockwerk und der Anzahl der Stockwerke, wobei die Basis und das kleine Kind oben („Eichhörnchen“) mitzählen. Ein „2de9“ ist zum Beispiel ein neunstöckiges Castell mit zwei Castellers auf den mittleren Ebenen. Eine Verstärkung auf der zweiten Ebene heißt „folre“, eine Verstärkung auf der dritten Ebene heißt „manilles“ und eine zusätzliche innere Säule wird „agulla“ genannt. Ein angehängter Buchstabe kennzeichnet das, ein „4de9fa“ ist also ein neunstöckiges Castell mit Verstärkung auf der 2. Ebene und 5 Castellers pro Ebene, von denen 4 außen stehen und der fünfte in der Säule in der Mitte.

Die Castells werden in unterschiedliche Schwierigkeitsklassen unterteilt, einige der heute gesehenen gehören zur höchsten Kategorie „Gamma Extra“. Die heute anwesenden Gruppen war die beiden lokalen „Colla Jove de Tarragona“, „Xiquets de Tarragona“ und aus dem Umland die „Colla Vella de Valls“ und die „Castellers de Vilafranca“.

Ich bin kein Experte, von daher bitte ich schon mal im Voraus um Entschuldigung, wenn mir bei der Benennung der Castells und der Gruppen in der Bildbeschriftung Fehler unterlaufen sind und wenn es jemand besser weiß, möge er oder sie bitte einen Kommentar hinterlassen!

2de9fm der Colla Jove de Tarragona
2de9fm der Colla Jove de Tarragona

Schwieriger als der 2de9fm ist der 2de9f, also mit Verstärkung nur auf der zweiten, aber nicht auf der dritten Ebene. Bisher gelang es noch nie, dieses Castell auch wieder ohne Einsturz abzubauen. Heute wurde ein 2de9f von der Colla Vella aus Valls gezeigt.

2de9f der Colla Vella de Valls (auf dem Plaça de la Font in Tarragona)
2de9f der Colla Vella de Valls (auf dem Plaça de la Font in Tarragona)

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Correfoc

Es ist dunkle Nacht. Die Straßenbeleuchtung ist ausgeschaltet, ebenso die Leuchtreklame. Unter den vielen Menschen auf der Rambla Nova herrscht eine Art angespannter Ruhe. Bald beginnt in der Ferne ein archaisches Trommeln. Plötzlich Donnergrollen, Feuerschein, Rauch steigt auf. Noch ist es weit entfernt, man kann nur ahnen, was dort gerade für ein Inferno losgebrochen ist.

Das Feuer erlischt wieder, aber das Trommeln dauert an und rückt langsam, aber unaufhaltsam näher. Jetzt hört man auch die Gralles. Es dauert nun nicht mehr lange, bis der erste Feuerteufel da ist.

Correfoc

Ehe ich’s mir recht versehe, stehe ich im Feuerregen und hole mir Brandblasen.

Correfoc

Zwischendurch ebbt das Getöse ab, die Fackelträger müssen nachlegen.

Correfoc

Der Feuerzug wird begleitet von grotesken Drachen.

Correfoc

Gut anderthalb Stunden dauert es, bis alle Dämonen wieder dort hin verschwunden sind, wo sie herkamen. Doch die Ruhe ist nur von kurzer Dauer.

Abermals donnert es in der Ferne, doch diesmal kommen die Donnerschläge viel schneller näher als beim ersten Mal. Über die ganze Länge der Rambla ist eine Böllerkette gespannt, die jetzt entzündet ist. Die Explosionen kommen im Sekundentakt näher und die Fackelträger rennen parallel mit. Schließlich ist der Balcó del Mediterrani erreicht. Das Feuerwerk beginnt. Visca Santa Tecla!

Correfoc