Alle Beiträge von Andreas Heß

Amazon Prime Video und Netflix auf dem Raspberry Pi

Um einem nicht so smarten TV ein wenig Grips einzutreiben, bietet sich ein kostengünstiger Raspberry Pi mit dem Media Center KODI an. Es empfiehlt sich aus Performance-Gründen ein Raspberry Pi 3.

Es sind allerdings ein paar Sachen zu beachten, wenn man auch Netflix und Amazon Prime Video schauen will, weswegen ich hier einmal zusammentragen will, was ich dafür konfigurieren musste.

KODI, LibreELEC und NOOBS

Zunächst einmal ist zu beachten, dass die für Amazon und Netflix nötigen Add-Ons nur mit der neuesten Version 18 von KODI laufen und die aber nicht auf dem „normalen“ Raspbian-Betriebssystem. Es ist daher angezeigt, LibreELEC zu installieren. Mit dieser Linux-Distribution kann man nicht viel anderes machen als KODI laufen zu lassen, das aber dafür gut. LibreELEC kann zunächst wie die meisten anderen Raspi-Betriebssysteme ganz bequem über NOOBS installiert werden.

„Milhouse 9.0“-Builds

Für die Amazon- und Netflix-Plugins braucht man die neueste Version. Hierzu geht man nach dem ersten Hochfahren von KODI aus auf die LibreELEC-Einstellungen und stellt unter „System“ die Aktualisierungen auf manual und bei den benutzerdefinierten Kanälen die URL http://milhouse.libreelec.tv/builds/master/RPi2 ein (auch wenn man einen Raspi 3 hat). Unter Update-Kanal stellt man dann auf „Milhouse 9.0“ und wählt dann unter „Verfügbare Versionen“ einen der aktuellen Nightly-Builds aus.

Achtung, diese sind nicht immer so stabil! Versionen vom Mai liefen bei mir nicht so gut, jetzt habe ich mich mehr oder weniger willkürlich für die Version 0421 vom 21. April entschieden und damit läuft es gut.

Amazon Prime Video

KODI ist nur nicht viel ohne Add-Ons. Viele gute offizielle Add-Ons findet man im gewöhnlichen Repository, nicht so die Netflix- und Amazon-Plugins. Dazu installiert man zuerst aus dem normalen Repository ein neues Repository, nämlich „Kodinerds“. Das findet man unter All Repositories ➜ Add On Repositories ➜ Kodinerds Add-ons und vom Kodinerds Repository installiert man dann wieder zwei andere Repositories, nämlich erst mal „Sandmann79s Repository“ für die Amazon-Add-Ons und das „Netflix“-Repository für das Netflix-Add-On (siehe zu Netflix unten).

Bei den angebotenen Amazon-Add-Ons scheint das internationale „Amazon VOD“ besser zu funktioniert als das andere, das nur für Deutschland gedacht ist. Letzteres lädt die Playlisten des eigenen Accounts in eine lokale Datenbank, was aber unnötig lange dauert.

Für die Wiedergabe von DRM-geschützten Material, die es von Amazon oder Netflix kommt, braucht man die „Widevine“-Libraries. Das Amazon-Plugin installiert die automatisch, das dauert aber etwas.

In den Einstellungen des Add-Ons sollte man noch bei der Wiedergabemethode „Input Stream“ einstellen. Ein gültiger Prime-Account ist natürlich Pflicht, die Zugangsdaten gibt man auch in den Einstellungen des Add-Ons ein.

Netflix

Bei Netflix hat bei mir die Installation aus dem Repository nicht funktioniert, daher habe ich die aktuelle Version des Netflix-Add-Ons von Github heruntergeladen („Clone or download“ auswählen und als ZIP runterladen, siehe Anleitung) und in KODI über „Installation aus ZIP“ installiert. Damit das funktioniert, muss man evtl. in KODI noch die Installation von Add-Ons aus Fremdquellen explizit zulassen. Über die Samba-Dateifreigabe von KODI/LibreELEC findet das ZIP-File den Weg auf die SD-Karte des Raspi. Auch für Netflix ist selbstverständlich ein gültiger Login erforderlich.

Podcasts

Zu beachten ist noch, dass die Version des beliebten „Apple iTunes Podcasts“-Add-On (das keinen iTunes-Account braucht, sondern nur so heißt, weil es die Liste der Podcasts von Apple zieht) aus dem KODI-Repository nicht mit dieser Konfiguration läuft. Im KODI-Forum wird erklärt, wie man das Add-On trotzdem zum Laufen bekommt.

Alternativ kann man aber seine Podcasts auch anders über KODI abspielen. Man trägt dazu die URL des RSS-Feeds seines Podcasts über Musik- bzw. Video (je nachdem, ob es ein Audio- oder Video-Podcast ist) als Quelle ein, allerdings nicht beginnend mit „http://“, sondern mit „rss://“.

Nutch und Solr einrichten

Wer selber Suchmaschinenbetreiber werden und dem Großen G Konkurrenz machen will, kann das mit dem Webcrawler Nutch und dem Suchserver Solr tun. Leider ist das Tutorial von Nutch nicht ganz so deutlich, enthält ein paar unnötig komplizierte Sachen und zudem in einer nicht ganz logischen Reihenfolge.

Das hier gezeigte Vorgehen wurde mit Ubuntu 16.04 getestet, sollte aber genau so mit anderen Linuxen oder macOS funktionieren.

Unter Windows laufen die Nutch-Skripte nicht. Da das eigentliche Nutch selbst aber genau wie Solr in Java implementiert ist, ließe sich das mit Cygwin lösen. Die Frage ist nur, ob man das auch will…

Für die Beispiele wird davon ausgegangen, dass sich Nutch im Verzeichnis „apache-nutch-1.14“ und Solr im Verzeichnis „solr-6.6.3“ jeweils direkt unterhalb des Home-Verzeichnisses befinden.

Wer möchte, kann das Nutch-Tutorial parallel öffnen. Ich orientiere mich hier am Stand des Tutorials vom Mai 2018 und weise jeweils auf Stellen im Tutorial hin.

1. Voraussetzungen: Java und Solr

Siehe Abschnitt Requirements im Tutorial.

Nutch 1.14 setzt Java voraus. Von mir wurde Nutch mit Java 1.8 getestet.

Ant ist nicht nötig, wenn Nutch als Binary geladen und nicht selbst kompiliert werden soll.

Damit Nutch die gecrawlten Webseiten direkt zum Indexieren an Solr weiterreichen kann, muss die passende Solr-Version laufen. Nutch 1.14 läuft mit Solr 6.6

Die Installation von Solr ist denkbar einfach, es ist lediglich ein Archiv herunterzuladen und zu entpacken.

(Im Tutorial wird Solr erst später erwähnt, es ist meiner Ansicht nach aber empfehlenswert, schon an dieser Stelle Solr zum Laufen zu bringen und zu testen.)

2. Nutch herunterladen

Siehe Option 1 im Abschnitt Install Nutch im Tutorial.

Die Installation von Nutch läuft erst mal fast genau so: Downloaden von http://nutch.apache.org/ und in ein Verzeichnis nach Wahl entpacken.

Siehe nun Verify your Nutch installation im Tutorial.

Aus dem Nutch-Verzeichnis heraus sollte jetzt ein „bin/nutch“ schon funktionieren und Nutch sollte zumindest mal ein Lebenszeichen von sich geben.

Wenn Nutch wie oben angegeben ins Verzeichnis „apache-nutch-1.14“ entpackt wurde, sind folgende Befehle einzugeben:

cd apache-nutch-1.14/
bin/nutch

Es sollte eine Meldung erscheinen, die die möglichen Nutch-Kommandos auflistet.

Achtung: An der /etc/hosts herumzufummeln, wie es im Tutorial steht, sollte im allgemeinen nicht notwendig sein!

3. JAVA_HOME setzen

Wir sind immer noch bei Verify your Nutch installation im Tutorial.

Möglicherweise ist die Umgebungsvariable JAVA_HOME nicht gesetzt. Ob das so ist, erfährt man durch Eingabe von

echo $JAVA_HOME

Wenn nichts ausgegeben wird, war JAVA_HOME nicht gesetzt. Dann ist unter Ubuntu (oder Debian) folgendes zu tun:

export JAVA_HOME=$(readlink -f /usr/bin/java | sed "s:bin/java::")

Damit beim nächsten Neustart des Terminals die JAVA_HOME gleich gesetzt ist, empfiehlt es sich, diese Zeile ans Ende der .bashrc im Home-Verzeichnis anzufügen:

cd

echo 'export JAVA_HOME=$(readlink -f /usr/bin/java | sed "s:bin/java::")' >> .bashrc

Unter macOS setzt man die JAVA_HOME wie folgt auf den korrekten Wert (Achtung, die Angabe im Nutch-Tutorial stimmt für neuere macOS-Versionen nicht!):

export JAVA_HOME=$(/usr/libexec/java_home)

Bei macOS würde man die JAVA_HOME wohl eher in der .profile setzen:

cd

echo 'export JAVA_HOME=$(/usr/libexec/java_home)' >> .profile

4. Crawler-Properties

Wir sind im Tutorial nun bei Customize your crawl properties.

Der Crawler meldet sich bei den Web-Server, die gecrawlt werden, mit seinem Namen. Es ist aber standardmäßig nichts voreingestellt. Ohne dass wir hier etwas konfigurieren, verweigert Nutch seinen Dienst.

In die Datei apache-nutch-1.14/conf/nutch-site.xml muss folgendes rein (der fette Teil ist neu):

<?xml version="1.0"?>
<?xml-stylesheet type="text/xsl" href="configuration.xsl"?>

<!-- Put site-specific property overrides in this file. -->

<configuration>
<property>
<name>http.agent.name</name>
<value>Der Test Nutch Spider</value>
</property>
</configuration>

Statt „Der Test Nutch Spider“ sollte man natürlich selber irgendeinen Namen wählen.

5. Solr konfigurieren

Wir überspringen einiges im Tutorial und gehen nun direkt zu Setup Solr for search.

Im Tutorial wird als zu Nutch 1.14 zugehörig die Version Solr 6.6.0 angegeben. Im Test funktionierte es aber auch mit 6.6.3. Mit Solr 7 dagegen könnte es Probleme geben.

Die von Nutch gecrawlten Webseiten sollen in einen eigenen Solr-Core. Zum Setup des Schemas für diesen Core nehmen wir die Standard-Beispielkonfiguration von Solr und kombinieren sie mit einer schema.xml, die von Nutch geliefert wird.

Die Schritte im einzelnen:

1. Das Configset basic_configs kopieren und neu nutch nennen.

2. Die managed_schema im Configset nutch löschen.

3. Die schema.xml von Nutch ins neue Configset nutch kopieren.

4. Solr starten

5. Einen neuen Core unter Verwendung des soeben erstellen Configsets einrichten.

Die Befehle dazu:

cd
cd solr-6.6.3/
cd server/solr/configsets/

cp -r basic_configs nutch

cd nutch/conf

rm managed-schema

cd

cp apache-nutch-1.14/conf/schema.xml solr-6.6.3/server/solr/configsets/nutch/conf/

cd solr-6.6.3/

bin/solr start

bin/solr create -c nutch -d server/solr/configsets/nutch/conf/

6. Nutch klar machen zum Crawlen

Wir springen nun im Tutorial zurück zu „Create a URL seed list„.

Wenn man das Web crawlen will, muss man irgendwo anfangen. Diese Startseiten kommen in die Seed List.

Den Teil des Tutorials, wie man an eine schöne Seed List kommt, in dem man z.B. eine Liste von Webseiten von dmoz herunterlädt, ignorieren wir hier mal, wir machen das von Hand und setzen unsere Lieblingswebseite als Startpunkt.

Die Schritte im einzelnen:

1. Unterhalb von apache-nutch-1.14 ein Verzeichnis urls anlegen

2. Darin eine Datei seed.txt anlegen und da drin einfach eine Liste von URLs eintragen.

Konkret:

cd

cd apache-nutch-1.14/

mkdir urls

cd urls

echo 'http://hs-furtwangen.de/' > seed.txt

Jedenfalls sollte man das so machen, wenn die Webseite der Hochschule Furtwangen die Lieblingswebseite ist.

Den Regex-URL-Filter (siehe Tutorial) lassen wir so er ist. Wir müssten den ändern, wenn wir z.B. nur die Unterseiten einer Homepage crawlen und indexieren wollen, ohne externe Links zu verfolgen.

Den ganzen Abschnitt „Using Individual Commands“ überspringen wir mal getrost. Die Befehle, die dort stehen, sind zwar schön, wenn man mal sehen will, was im einzelnen passiert, aber zu kompliziert.

7. Crawl starten!

Wir gehen im Tutorial direkt zu Using the crawl script.

Den Aufruf des Crawl-Skripts ist im Tutorial erklärt, aber wir können selber das Skript von einem eigenen Skript aus starten, das direkt schon die gewünschten Parameter enthält. 🙂

Ich gehe hier davon aus, dass, wie hier im Beispiel, der Solr-Server auf dem selben Rechner läuft, der Core nutch heißt und die Seed-Liste dort liegt, wo wir sie in Schritt 4 gerade angelegt haben. Außerdem sind hier jetzt mal 50 Iterationen eingestellt. Das ist viel! Man kann den Crawl-Vorgang aber ruhig zwischendurch abbrechen.

cd

cd apache-nutch-1.14/

echo 'bin/crawl -i -D solr.server.url=http://localhost:8983/solr/nutch -s urls crawl 50' >> crawl.sh

chmod +x crawl.sh

./crawl.sh

8. Die Ergebnisse begutachten

Schon während der Crawl läuft, können wir in der Admin-Oberfläche von Solr den Index abfragen. Spätestens jetzt empfiehlt es sich, sich mit dem Schema des neuen Cores vertraut zu machen, um anschließend ein schönes Frontend programmieren zu können.

Viel Spaß!

@ oder die rechte und die linke Hand des Teufels

Normalerweise ist es auch bei einer Mac-Tastatur völlig egal, ob man die linke oder die rechte alt-Taste (beim Mac auch option-Taste) verwendet.

Böse Falle: Hat man ein Ubuntu-Linux in Parallels laufen, wird die linke alt-Taste das Menü der jeweiligen Anwendung öffnen, nur mit der rechten alt-Taste kann man zum Beispiel das @-Symbol (alt+L) eingeben.

Aber Vorsicht: Während das bei der internen Tastatur eines MacBook gilt, sieht es bei externen Tastaturen schon wieder anders aus und es kann sein, dass es dort genau andersherum ist…

Zu einfach

In der Katalonien-Frage machen es sich momentan leider alle Akteure viel zu einfach.

Das katalanische Parlament macht es sich zu einfach, in dem es die Unabhängigkeit erklärt, denn realistischerweise muss man sagen: Kaum ein anderes Land wird diese Unabhängigkeit anerkennen.

Die PP-geführte Zentralregierung macht es sich aber auch zu einfach, wenn sie glaubt, durch vorübergehende Aussetzung der Autonomie und das Ansetzen von Neuwahlen das Problem aus der Welt zu schaffen.

Die EU macht es sich zu einfach, in dem sie mit dem Verweis, es handele sich um eine innere Angelegenheit, die Vermittlerrolle von sich weist. Offensichtlich funktioniert der Dialog zwischen Katalonien und der Zentralregierung nicht mehr ohne Vermittlung von außen und irgendjemand muss das übernehmen.

Diejenigen machen es sich zu einfach, die darauf verweisen, dass Spanien ein Rechtsstaat sei, ohne darauf zu schauen, dass es in eben diesem Rechtsstaat offenbar möglich ist, dass eine Partei das Verfassungsgericht als Instrument der Regierung missbraucht. Dass allein ein Einspruch ausreicht, um ein Gesetz erst einmal vorübergehend unwirksam werden zu lassen, wurde in der Vergangenheit zum Blockadewerkzeug.

Es machen sich diejenigen zu einfach, die jeden Dialog mit Katalonien ablehnen und dabei als einziges Argument anführen, dass eine Sezession gegen die spanische Verfassung ist. Auf der anderen Seite machen es sich auch diejenigen zu einfach, die dagegen mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker argumentieren und dass dieses über der Verfassung stehe. Und als letzte in dieser Reihe machen es sich wieder die zu einfach, die behaupten, das Selbstbestimmungsrecht der Völker gelte nicht, weil Katalonien nicht unterdrückt sei, ohne aber zu hinterfragen, warum ein Teil der Bevölkerung das offenbar doch so sieht.

Zu einfach ist es auch, zu behaupten, die Mehrheit sei doch gar nicht für die Unabhängigkeit, wenn man sich dabei auf Umfragen beruft, die in der El Mundo veröffentlicht wurden. Genau so wenig sollte man natürlich eine Umfrage kritiklos hinnehmen, wenn sie nur im katalanischen TV3 gezeigt wird.

Generell machen es sich die zu einfach, die „Katalonien“ und „katalanisch“ nicht richtig buchstabieren können und trotzdem kommentieren was das Zeug hält, und damit meine ich tatsächlich nicht nur Internetnutzer, die unter Presseartikeln kommentieren, sondern auch so manchen Artikel selbst.

Es machen sich auch die zu einfach, die behaupten, dass viele Katalanen ja nur aus wirtschaftlichen Gründen die Unabhängigkeit wollen, weil sie nicht solidarisch seien, anstatt nach den wahren Ursachen zu forschen. Wer die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien mit den (meist rechtspopulistischen) Nationalisten in anderen Ländern in einen Topf wirft, der macht es sich viel zu einfach, denn er verkennt, dass die (radikalen) Rechten auf der Seite der spanischen Unionisten mit laufen.

Ich habe es mir gestern auch mal einfach gemacht und mich vor der Paulskirche auf die Seite der Katalanen gestellt.

Demo auf dem Paulsplatz in Frankfurt
Demo auf dem Paulsplatz in Frankfurt

Sonderfahrt

Anlässlich einer Sonderfahrt 🙂 waren wir letzten Samstag mit dem Pt-Wagen 148 unterwegs.

Am Westbahnhof begegneten sich alte Straßenbahn und neue S-Bahn.

Pt-Wagen und S-Bahn am Westbahnhof
Pt-Wagen und S-Bahn am Westbahnhof

In Neu-Isenburg konnten wir ein wenig mit der Zielanzeige herumspielen, so dass wir mal als U5 nach Preungesheim…

U5 nach Preungesheim in Neu-Isenburg
U5 von Neu-Isenburg nach Preungesheim?

oder mit Bembel zum Oberforsthaus (wobei Pt-Wagen soweit ich weiß nie für das „Lieschen“ eingesetzt wurden)…

Lieschen?
Lieschen?

oder zur Messe.

Bahn zur Messe
Bahn zur Messe

Im weiteren Verlauf der Fahrt war noch von der Ignatz-Bubis-Brücke ein Blick auf die Skyline möglich.

Pt-Wagen vor der Skyline
Pt-Wagen vor der Skyline

In der Friedberger Landstraße nahmen wir Abschied von Wagen 148.

Wagen 148 in der Friedberger Landstraße
Wagen 148 in der Friedberger Landstraße

 

 

 

Das MySQL-Kuriositätenkabinett

Zusammengesetzte Fremdschlüssel

Zusammengesetzte Primärschlüssel kommen in der Datenbankwelt allerorten vor, z.B. in Beziehungstabellen. Zusammengesetzte Fremdschlüssel sind seltener, werden aber naturgemäß gebraucht, wenn auf eine Tabelle mit zusammengesetztem Primärschlüssel referenziert werden soll.

Die Syntax für die Erstellung von zusammengesetzten Fremdschlüsseln ist analog zu zusammengesetzten Primärschlüsseln.

Gegeben seien beispielhaft die folgenden Tabellen:

CREATE TABLE `raum` (
 `Buchstabe` char(1) NOT NULL,
 `RaumNr` decimal(3,2) NOT NULL,
 PRIMARY KEY (`Buchstabe`,`RaumNr`)
);

CREATE TABLE `findetstatt` (
 `Nr` int(11) DEFAULT NULL,
 `Belegnr` int(11) DEFAULT NULL,
 `Abk` varchar(5) DEFAULT NULL,
 `RaumNr` decimal(3,2) DEFAULT NULL,
 `Buchstabe` char(1) DEFAULT NULL
);

Ein zusammengesetzter Fremdschlüssel, der von von „findetstatt“ auf „raum“ verweist, wird nun erstellt mit:

alter table findetstatt add foreign key(buchstabe, raumnr) references raum(buchstabe,raumnr);

Falle: Error 1215

Zu beachten ist, dass die Reihenfolge, in der die Spalten des Fremdschlüssels angegeben werden, der Reihenfolge entsprechen muss wie sie in der Definition des Primärschlüssels, auf den sich der Fremdschlüssel bezieht, angegeben ist. Wird dies nicht beachtet, quittiert MySQL das mit einer nichtssagenden Fehlermeldung.

mysql> alter table findetstatt add foreign key(raumnr,buchstabe) references raum(raumnr,buchstabe);
ERROR 1215 (HY000): Cannot add foreign key constraint

Das gleiche passiert, wenn man auf die Idee kommt, nur die Spalte „RaumNr“ mit einem Fremdschlüssel-Constraint zu belegen, da sich dieser dann auf den zweiten Teil des Primärschlüssels in der Tabelle „raum“ bezieht:

mysql> alter table findetstatt add foreign key(raumnr) references raum(raumnr);
ERROR 1215 (HY000): Cannot add foreign key constraint

Wird nur der erste Teil eines mehrteiligen Primärschlüssels referenziert, ist das problemlos möglich, z.B.:

alter table findetstatt add foreign key(buchstabe) references raum(buchstabe);

 

Zwei Jordis und ein Josep

Am Montag wurden Jordi Sànchez vom katalanischen Nationalkongress (ANC) und Jordi Cuixart von der Organisation Òmnium Cultural in Untersuchungshaft genommen. Ihnen wird „Aufruhr“ vorgeworfen, weil sie am 20. September Demonstration dazu angestachelt haben sollen, Zivilgardisten in Büros der Regionalregierung, die von diesen durchsucht wurden, einzukesseln, so dass diese 20 Stunden lang das Gebäude nicht verlassen konnten.

Jordi Sànchez und Jordi Cuixart
Jordi Sànchez und Jordi Cuixart (am 1. Oktober in Barcelona)

Was in der deutschen Presse allerdings weniger prominent berichtet wurde ist, dass außer Sànchez und Cuixart auch der Chef der katalanischen Polizei Mossos d’Esquadra, Josep Lluís Trapero, vorgeladen war, allerdings nicht in Untersuchungshaft genommen wurde.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Entscheidung Sànchez und Cuixart, aber nicht Trapero festzunehmen, politisch motiviert ist. Die Schlagzeile Separatistenführer inhaftiert lässt sich eben in der in- und ausländischen Presse besser verkaufen als Polizeichef inhaftiert, weil er befohlen hat, nicht auf Bürger einzuprügeln.

Außerdem wurde mehr oder weniger unbemerkt von der deutschen Presse diese Woche vom spanischen Verfassungsgericht festgestellt, dass das Referendum in Katalonien illegal war.

Wenn diese Woche erst entschieden wurde, wieso war dann bisher schon immer vom illegalen Referendum die Rede?

In Spanien gilt, dass ein Gesetz, gegen das beim Verfassungsgericht Beschwerde eingelegt wird, ausgesetzt ist, sobald die Beschwerde angenommen wurde. Es war also falsch, das Referendum schon vorher illegal zu nennen, weil das Gericht nämlich noch gar nicht über die Verfassungsmäßigkeit des Referendum-Gesetzes entschieden hatte, sondern lediglich die Beschwerde angenommen wurde.

Nicht nur deswegen ist übrigens umstritten, ob die oben erwähnten Durchsuchungen vom 20. September überhaupt rechtlich einwandfrei waren.

Die schweigende Mehrheit?

In den deutschen Medien wird derzeit geschrieben, dass nun diejenigen auf die Straße gehen, die als die „schweigende Mehrheit“ bezeichnet werden. Dazu ein paar Anmerkungen:

Es ist vermutlich nicht die Mehrheit

Am Wochenende waren in Barcelona nach Angaben der katalanischen Polizei 350.000 Menschen auf der Straße. Im September waren es bei den Kundgebungen für die Unabhängigkeit mindestens doppelt so viele. Was in den deutschen Medien nicht berichtet wird: Nach dem katalanischen Fernsehen wurden die Demonstranten teils mit Bussen nicht nur aus allen Teilen Kataloniens, sondern auch von außerhalb herangekarrt, sogar von 10 Bussen aus Madrid ist die Rede. Hinzu kommen weitere Menschen, die mit dem Zug angereist sind.

Rechtsradikale unter den Demonstranten

Auch wenn die El País mal wieder versucht, das Problem herunterzuspielen und einzelne Bilder als Fälschungen oder als von anderen Demonstrationen stammend anprangert, lässt sich nicht wegdiskutieren, dass eben doch (Neo-) Falangisten dabei sind. Diese Flagge, die ich bei einem Unionisten am 1. Oktober gesehen habe…

Plaça Catalunya, 1. Oktober
Plaça Catalunya, 1. Oktober

… wusste ich zunächst nicht so recht einzuordnen. Die Einheit Spaniens ja schließlich das, was dieser Demonstrant will. Eine einfache Web-Suche nach „Viva la unidad de España“ offenbart aber, wo man diese Flagge kaufen kann.

Screenshot der Suche nach "Viva la unidad de España"
Screenshot der Suche nach „Viva la unidad de España“

Schauen wir uns einmal die Seiten an. Der Name der ersten Webseite, „La Falange“, bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung. Der zweite Treffer ist die „Alternativa Española“, eine rechtsextreme Partei. Der dritte Treffer ist nur ein Zeitungsartikel über die Demonstration vom 1. Oktober, aber der vierte Treffer ist dann der „Tienda Falangista“, offenbar eine Art Fanshop für Falangisten.

Es ist auch bezeichnend, dass bei den Demonstrationen der Unionisten, die ich am 1. Oktober gesehen habe, wesentlich mehr Polizei vor Ort war als bei den Independisten. Bei den Independisten waren es oft nur ein, zwei Hand voll, während ich bei den Demonstrationen der Unionisten mehrere Kleinbusse der Mossos gesehen habe.

Zum Feuilleton der Süddeutschen

Am heutigen 9. Oktober heißt es im Feuilleton der Süddeutschen, dass die Selbstbestimmung gefährlich wird, „wenn sie ethnische Gleichförmigkeit erzwingen will“. Der Autor suggeriert damit, dass dies in Katalonien so sei, aber verkennt die Lage völlig.

In einem Interview mit dem Spiegel, das aus Anlass des bevorstehenden Referendums mit Carles Puigdemont geführt wurde, sagte dieser ganz deutlich: „Der katalanische Nationalismus ist nicht ethnisch. Das ist unsere Stärke, darauf sind wir stolz. Katalonien ist ein Land der Einwanderer. 70 Prozent aller Katalanen haben mindestens ein Elternteil, das Wurzeln außerhalb unseres Landes hat. Es gibt viele Identitäten und Traditionen, sie widersprechen sich nicht. Wir stehen nicht für das alte Konzept: Ein Staat, eine Nation, eine Sprache, ein Volk. Katalane ist, wer hier lebt und arbeitet – und das auch will.“

Diese Aussage deckt sich mit dem, was ich vor Ort erlebt habe. Wer sich für die katalanische Kultur interessiert, der ist willkommen. Die Existenz der spanischsprachigen Organisation Súmate beweist, dass der Independismus nicht einmal etwas damit zu tun haben muss, die katalanische Sprache zu beherrschen.

Fazit

Man kann für oder gegen die Unabhängigkeit sein, man darf auch nicht verschweigen, dass eine sofortige, einseitig erklärte Unabhängigkeit Kataloniens große Probleme mit sich bringt.

Was die deutschen Medien aber nicht tun sollten ist, dem Narrativ der PP-Zentralregierung zu folgen, das auch zum Beispiel von der El País verbreitet wird. Die deutschen Medien sollten auch nicht verschweigen, wer dort so alles bei den Demonstrationen mit läuft.

Barcelona

Bekanntermaßen fand am 1. Oktober das von Polizeigewalt begleitete Referendum über die Unabhängigkeit in Katalonien statt. Wir waren am 30. September und 1. Oktober in Barcelona und konnten ein wenig die Stimmung vor Ort spüren. Natürlich sind das alles nur unsere subjektiven Momentaufnehmen.

Am Nachmittag des 30. September fanden wir auf dem Platz vor dem Triumphbogen einen Stand der ANC (Assemblea Nacional Catalana). Dort hatten sich auch einige Giganten versammelt, die für die Abstimmung demonstrierten.

Hier haben wir Martí und Valentina beim Tanzen gefilmt, die Giganten aus Calonge.

Wir haben uns Demonstrationen beider Seiten angesehen. Von keiner Gruppe ging Gewalt aus, allerdings wirkten die Demonstranten, die am 30. September auf dem Plaça de Sant Jaume zwischen Rathaus (Ajuntament) und Sitz der Regionalregierung (Palau de la Generalitat) für die Einheit Spaniens demonstrieren, nicht sonderlich sympathisch. Man beachte auf dem folgenden Photo nicht nur das Transparent „Més demoncràcia“ am Ajuntament, sondern auch das Transparent der unabhängigkeitsbefürwortenden Organisation Òmnium Cultural an dem Gebäude rechts im Hintergrund, auf dem ebenfalls „democràcia“ steht. Die Transparente gehören also nicht zu den Demonstranten!

Demonstration von Unionisten vor dem Ajuntament von Barcelona
Demonstration von Unionisten vor dem Rathaus von Barcelona

Nur wenige Minuten später verschafften sich Demonstranten Zugang zum Dach des Hauses und rissen das Transparent ab. Auf Bildern, die im katalanischen Fernsehen gezeigt und die vom anderen Ende des Platzes aufgenommen wurden, sieht man, dass einzelne Demonstranten noch auf dem abgerissenen Plakat herumtrampeln. Auf meinem eigenen Video hört man die Menge grölen, als das Plakat endgültig abgerissen ist.

Spätestens ab diesem Punkt fühlte ich mich auf dem Platz etwas unwohl. Später haben wohl Demonstranten auch versucht, das Transparent vom Rathaus zu zerstören, was aber nicht ganz gelang.

Unser Ziel an dem Abend war ein Konzert der Gruppe La Pegatina. Und weil heutzutage in Katalonien, wie schon in einem früheren Beitrag geschrieben, alles politisch ist, wurde natürlich auch dort von Fans die Estelada gezeigt. Also die Separatisten haben auf jeden Fall schon mal die bessere Musik.

Estelada bei La Pegatina im Sala Apolo
Estelada bei La Pegatina im Sala Apolo

Am 1. Oktober war dann der Tag der Abstimmung. Mittags konnte ich auf dem Plaça Catalunya einzelne Menschen beider Seiten finden. Ich musste nicht lange für diese Bilder suchen, die symbolisch für den Sympathiefaktor der beiden Seiten stehen. Halb Vermummte habe ich jedenfalls nur bei den Unionisten gesehen.

Separatistin
Separatistin
Unionist
Unionist


Später gingen wir zum Palau de la Generalitat, wo einige wohl auf einen Vertreter der Regierung warteten.

Palau de la Generalitat
Palau de la Generalitat

Da zwar Oriol Junqueras mal kurz gesehen wurde, aber anschließend im Gebäude verschwand, sind wir wieder zurück zur Plaça Catalunya, wo die Wahlparty der Independisten stattfand. Auf dem Weg dahin kamen wir noch an einem Wahllokal in einer Schule vorbei.

Escola Drassanes
Escola Drassanes

Hier war alles ruhig. Wie heute (am 5.10.) im katalanischen Fersehen berichtet wurde, lief dem Bericht der Wahlbeobachter nach die Wahl nicht nach internationalen Standards ab. Es wurde allerdings auch bemerkt, dass die Umstände es nicht anders erlaubten. Es ist bemerkenswert, dass nach all den Konfiszierungen von Wahlurnen und Stimmzetteln im Vorfeld überhaupt genügend Material zur Verfügung stand.

Die Stimmung auf dem Plaça Catalunya kurz vor dem Auftritt von Jordi Cuixart von der Organisation Òmnium Cultural war ganz gut, die Menge ruft wieder „Independència“.

Und während Theo Koll hinter uns gerade im heute-journal erzählt, man wüsste nun nicht, wie es weiter geht, rufen vorne auf der Bühne Jordi Cuixart (rechts) und Jordi Sànchez (links) von der ANC zum Generalstreik am 3. Oktober auf.

Jordi Sànchez und Jordi Cuixart
Jordi Sànchez und Jordi Cuixart

So weit unsere Eindrücke von zwei wilden Tagen in Barcelona.