Archiv der Kategorie: Szenen aus dem Leben

Cyberbull

Wenn Ihr mal ne spannende Serie schauen wollt, schaut Euch Designated Survivor an, aber bitte nur die erste Staffel.

Wenn Ihr ne schlechte Serie schauen wollt, schaut Euch auch Designated Survivor an, aber diesmal die zweite Staffel.

Diese Serie bekommt von mir nicht nur die Auszeichnung für das größtmögliche Qualitätsgefälle, sondern auch den Preis für den größten jemals gemessenen Bullshit in Szenen mit Computerbezug.

Dass Bildschirminhalte nicht so eine große Rolle spielen, so lange es irgendwie kompliziert und doch cool aussieht, ist nichts neues. Auch dass mittels Magie aus einem Satellitenbild eine hoch aufgelöste Frontalaufnahme eines Verdächtigen entsteht, ist im Fernsehen schon lange Standard. Dass dieses Bild dann “Pixel für Pixel” mit den Datenbanken abgeglichen wird, ist schon eine Spezialität. Einen einzelnen weißen, schwarzen oder bunten Punkt in einer Datenbank zu suchen, das bringt sicher viel. Aber egal, das geht vielleicht noch als unglückliche Formulierung durch.

Anekdoten aus Designated Survivor

Ein wenig später freut sich der IT-Crack Chuck, dass er die Firewall des Laptops eines Verdächtigen überwunden hat. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Warum hat sich Chuck die Mühe gemacht, die Firewall, die den Rechner vor unbefugtem Zugriff aus dem Netzwerk schützen soll, zu überwinden, wenn das Gerät direkt vor ihm auf dem Tisch steht?

Aber vielleicht ist es auch nur des Wortwitzes wegen: Der Laptop geht wenige Augenblicke später in Flammen auf, weil der böse Besitzer “den Akku gehackt” hat. Vielleicht hätte das FBI doch lieber einen IT-Forensiker anstellen sollen, der sich mit sowas auskennt.

Eher ein Schmankerl für Kenner war dann noch, dass der selbe Chuck Erkenntnisse über eine Auktion von Alan-Turing-Memorabilia gewinnt, bei der unter anderem eine Turing-Maschine versteigert wurde. Da wurde der Käufer wohl betrogen, handelt es sich bei einer Turing-Maschine doch um ein mathematisches Konstrukt, ein rein theoretisches Gebilde, nicht um ein physisch existierendes Gerät.

Warum ärgert mich das?

Eigentlich finde ich sowas ja ganz amüsant, besonders weil es gerade in dieser Serie so unglaublich übertrieben absurd ist, wenn man sich auch nur ein bisschen mit der Materie auskennt.

Doch das Problem ist, dass sich so beim Zuschauer ein falsches Bild von Computertechnik, von Sicherheitslücken und von Angriffen auf IT-Systeme verfestigt. Wenn etwas nur oft genug im Fernsehen gezeigt wird, und wenn es auch in einer Action-Serie ist, besteht leider die Gefahr, dass es irgendwann jemand für bare Münze nimmt.

Anstatt sich von solchem Cyber-Zauber beeindrucken zu lassen, sollten sich Computernutzer (d.h. wir alle!) lieber auch mal mit echter IT-Sicherheit befassen. Wer sich auch nur ansatzweise von dem Bild inspirieren lässt, das in dieser TV-Serie vermittelt wird, schwebt in Gefahr, die realen und alltäglichen Bedrohungsszenarien zu ignorieren.

Die letzte Konsequenz davon sieht man auch in dem aktuellen Fall von “Doxing“, bei dem personenbezogene Daten von etwa 1000 Menschen, darunter viele Politiker, veröffentlicht wurden. Mehr Kompetenz im Umgang mit IT-Systemen ist notwendig, um die Ursachen zu verstehen und solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden. Nimmt man dagegen zu viel von dem Mumpitz zu sich, wie er in Designated Survivor und anderen Action-Serien vorkommt, dann kommen leider so kompetenzbefreite Ideen wie die des “Hack-Back” auf den Tisch, statt generell die (defensive) IT-Sicherheit zu stärken. Letzteres könnte natürlich als Nebeneffekt dazu führen, dass der Bundestrojaner dann nicht mehr läuft. Ob man das deshalb nicht will?

Die Realität ist spannender!

Dass die Realität sehr viel spannender ist als Cyber-Bullshit, sieht man übrigens jedes Jahr beim Chaos Communication Congress. Dieses Jahr wurde da unter anderem gezeigt, wie man über Fax in Firmennetze einbrechen kann, es wurde die biometrische Identifikation mit Venenerkennung durch eine Attrappe überwunden und es wurde gezeigt, wie man Geldautomaten um ihren Inhalt erleichtern kann.

Man sich übrigens durchaus an der Realität orientieren und trotzdem daraus eine spannende Serie stricken! Mein Schlusswort ist deshalb: Wenn Ihr mal ne spannende Serie mit mehr Cyber, aber weniger Bullshit sehen wollt, dann schaut Euch Mr. Robot an!

Prag und seine Bahnen

 

Eine Dienstreise mit anschließender privater Verlängerung führte uns kürzlich nach Prag.

Prager Burg und Karlsbrücke über die Moldau
Prager Burg und Karlsbrücke über die Moldau

Zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten zählen der Altstädter Ring mit der Teynkirche…

Altstädter Ring mit Teynkirche
Altstädter Ring mit Teynkirche

… wo man glaubt, den heiligen Gral zu finden…

Teynkirche Detailansicht
Teynkirche Detailansicht

… und die bei Nacht schön beleuchtet sind.

Teynkirche am Abend vom Rathausturm aus
Teynkirche am Abend vom Rathausturm aus

Vom Rathausturm hat man auch in Richtung der “Kleinseite” einen guten Ausblick.

Blick vom Rathausturm zur Kleinseite
Blick vom Rathausturm zur Kleinseite

Die Anreise erfolgte natürlich mit der Bahn.

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Nach dem Concurs

 

Anke und ich vor unserem ersten Auftritt heute
Vorher

Jetzt sind wir zurück aus der Tarraco Arena Plaça und dort aus der Pinya der Colla Jove Xiquets de Tarragona und müssen erst mal unglaublich viele Eindrücke verarbeiten.

Erste Runde - mehrere Collas treten gleichzeitig auf
Erste Runde

Das Dach wird geöffnet und die C. de Sants versuchen einen 2de9fm
Das Dach wird geöffnet und die C. de Sants versuchen einen 2de9fm

Nach unserer dritten Runde waren wir mal kurz auf Platz 1, aber die Colla Vella aus Valls hatte zu diesem Zeitpunkt ihre dritte Runde noch vor sich…

Zwischenstand
Zwischenstand

Am Ende hat es für uns zum dritten Platz gereicht. Der Wettbewerb ist vorbei und damit auch schon bald wieder unsere Zeit in Tarragona. In den letzten vier Wochen haben Anke und ich acht Mal geprobt (von einer Probe wurden wir durch einen Virus abgehalten) und sind fünf Mal aufgetreten, davon jeweils ein Mal, sozusagen aushilfsweise, mit den Castellers of London.

Anke und ich nach dem Wettbewerb
Nachher

Wenn wir uns ein wenig erholt haben, reichen wir noch ein bisschen was zu unserem Auftritt heute und zur Diada Internacional gestern nach.

1 Tag vor dem Concurs

Morgen um 10 Uhr geht es endlich los. Heute hat ein Teil von uns sich noch etwas warm gemacht und die Castellers of London beim Auftritt auf der Diada Internacional unterstützt. Dazu später mehr.

Danach beganngen die letzten Vorbereitungen für morgen. Bevor der eigentliche Wettbewerb beginnt, gibt es um 9:00 noch einen Umzug durch die Stadt um alle zu wecken. Damit es pünklich beginnen kann müssen wir dann um 8:15 da sein. Der Wettbewerb geht von 10:00 bis ca. 15:30. Wir sind also insgesamt 8 Stunden mit allem beschäftigt. Eigentlich ein normaler Arbeitstag, aber ohne richtige Pausen oder Mittagsessen. 

Die Instruktionen für morgen lauten also, möglichst viel zum Frühstück zu essen und sich Nüsse oder Ähnliches mitzunehmen.

Anbei unser Concurs-Survival-Paket: Nüsse, Smoothie, eine Faixa, ein Tuch für den Kopf und eine Powerbank fürs Handy:

2 Tage vor dem Concurs und der Turmbau zu Babel

 

Zwei Tage vor dem Concurs de Castells sind unsere Erkältungen ziemlich abgeklungen und die Vorbereitungen für den großen Tag laufen. 

Passend zur Farbe unseres Vereins habe ich das schicke Grau meiner Haare mit Lila Haarfarbe überdeckt.

Dazu passend habe ich in einem Laden neben unserem Vereinshaus traditionell handgemachte katalanische Espardenyas (Schuhe aus Espartogras) gekauft:

Die Schuhe werden vor allem zum Tanzen und für traditionelle Umzüge in Katalonien angezogen. Aber auch bei den Castellers sind sie sehr beliebt. Die Schuhe eigenen sich recht gut zum Stehen. Da so ein Auftritt des Vereins in der Regel mit ca. 3-5 Stunden Stehen einhergeht, passt das ja ganz gut.

Am Tag vor dem Concurs ist in Tarragona noch die Diada Internacional, zu der Vereine aus der ganzen Welt anreisen. Bei uns im Haus waren die Castellers of London abgestiegen und Andreas und ich haben uns spontan entschieden gleich auch noch zu dem Training der Briten in unserem Vereinshaus zu gehen. 

Das Training der Briten hat sich inhaltlich nicht stark von unserem unterschieden, aber ein paar Dinge waren doch sehr besonders. Im Verein sind Menschen aus allen möglichen Ländern. In der kurzen Zeit hatte ich welche aus Frankreich, Katalonien, England, Deutschland und Litauen getroffen. Die Umgangsprache des Vereins ist eine Mischung aus Englisch, Spanisch und Katalanisch. So läuft das Training zwar auf Englisch ab, aber ein Teil der katalanischen Fachbegriffe wird einfach übernommen. Das Resultat ist ein wahrer Babylonischer Turmbau.

Wenn man die Basis baut, werden alle der Größe nach aufgestellt. In der Regel bin ich unter den Katalanen so mittelgroß und meistens zwischen Männern um die 50 und größeren Frauen. Ein großer Teil des Londoner Vereins war dagegen mindestens 2 Köpfe größer als ich. Bei vielen Türmen war ich dann plötzlich ein richtiger Lückenfüller und stand unter den Armen verdeckt direkt am Zentrum des Turms, um ihn zu stabilisieren. Das ist wirklich sehr gewöhnungsbedürftig. Man sieht wirklich gar nichts mehr und der Kopf hängt quasi in den Achselhölen der beiden Nachbarn. Durch eine kleine Vergleichsstudie kann ich jetzt sagen, dass es in Spanien besser riechendes Waschmittel gibt und dort wohl auch besser funktionierende Deos verkauft werden.