Alle Beiträge von Anke Verena Meyer-Heß

Napier / Ahuriri

Lage von Napier in Neuseeland – © OpenStreetMap Contributors

Den längsten Aufenthalt hatten wir bislang in Napier. Ganze 12 Tage in einer Stadt hat dazu geführt, dass wir schon fast Wurzeln geschlagen haben.

Wer unseren letzten Podcast gehört hat, weiß dass die FH Hochschule Furtwangen dort eine Partner-Hochschule hat und Andreas dort mit den Kollegen (wirklich nur Männer – Anmerkung von Andreas: Stimmt doch gar nicht!) einen neuen gemeinsamen Studiengang verhandelt hat. Genügend Zeit für mich, die Stadt zu erkunden.

Napier war bisher die mit Abstand schönste Stadt, in der wir in Neuseeland besucht haben. Mit Sicherheit hat aber auch das durchgängig schöne Wetter geholfen. Insbesondere die Architektur vieler Häuser ist wirklich schön und im Art-Deco-Stil gehalten.

Die Innenstadt wurde innerhalb von wenigen Jahren nach einem Erdbeben in 1931 komplett neu aufgebaut. Das Land auf dem die Innenstadt jetzt steht, ist erst durch dieses Erdbeben überhaupt entstanden. Vor dem Erdbeben bestand die damalige Stadt vor allem aus dem Stadtteil Ahuriri der jetzt in der Nähe des Hafens liegt. Durch das Erdbeben wurde ein Teil des Wattgebietes um dieses Gebiet angehoben, so dass die Stadt ca 40 km2 mehr Fläche dazu bekommen hat.

Der Wiederaufbau im Art-Decó-Stil hatte vor allem pragmatische Gründe. Dieser Stil erlaubt es viele Betonplatten zu verwenden, was den Aufbau wesentlich schneller und günstiger machte. Die “Verzierungen” des Art-Decó waren wesentlich simpler und ließen sich schneller herstellen, als bis dahin übliche viktorianischen Verzierungen. Die Pastellfarben kamen vor allem zu Stande, da es nicht genug Farbe gab und sie mit Wasser verdünnt wurden.

Sport auf Reisen

Andreas’ wunderschöner Arbeitsplatz in Hamilton

Wenn man denken würde wir reisen von einer Sehenswürdigkeit zu nächsten, hätte man wahrscheinlich Recht. Trotzdem muss Andreas natürlich arbeiten und ich habe viel freie Zeit zu füllen.

Für die Zeiten wo Andreas am Rechner sitzt hatte ich mir vorgenommen Sport zu machen. So sind in den letzten Wochen eine erhebliche Menge an gelaufenen Kilometern und Besuchen in den unterschiedlichsten “Spas”, “Health Clubs”, “Gyms” und anderen unbenannten Fitnessräumen zusammen gekommen.

Japan

Am beeindruckensten war es bislang definitiv in Japan. Während Andreas seine Arbeit in den meist nur 9m2 großen Zimmern auf dem Bett oder an den wirklich extrem kleinen Tischen erledigen musste, waren die Fitnessstudios in der Regel riesig, sauber und leider auch extrem teuer (20-40 Euro pro Tag mit Hotelgutschein). Für den Besuch eines Studios musste ich zunächst immer unterschreiben, dass ich gesund und untätowiert bin. Danach fängt dann ein relativ aufwendiges Schuhe an- und ausziehen an.

Mein Schließfach für die Straßenschuhe in Tokio

Die Straßenschuhe müssen direkt am Eingang ausgezogen werden und man geht dann auf Socken weiter zur Umkleide. Am Eingang der Umkleide kann man seine Sportschuhe dann extra einschließen, da die Umkleide ausschließlich Barfuß oder in Socken betreten werden darf. Muss man aber auf die Toilette, gibt es dort noch mal extra Schuhe, nur für den Klobesuch. Ist man umgezogen, geht man dann auf Socken wieder zum Sportschuh-Schließfach vor der Umkleide und zieht vor dem Betreten des Sportraums die Indoorsportschuhe an.

Ist man dann endlich drin, ist fast alles so wie auch in Deutschland, nur dass es wesentlich mehr wirklich alte Menschen (sichtbar über 70) gibt, die dort richtig heftig trainieren. Es war immer alles extrem sauber und ruhig.

Ich muss gestehen, dass der “Health-Club” des letzten 5-Sterne-Hotels in Japan zwar kostenlos war, aber dafür auch saudreckig und ich bei vielen Geräten Angst hatte, dass diese gleich zusammenbrechen.

ein fast durchgerosteter Stepper

Neuseeland

In Neuseeland wurden dann die Arbeitsplätze von Andreas definitiv wesentlich besser, während die Fitnessräume in der Regel dem des letzten 5-Sterne-Hotel in Japan entsprachen. Zwar gab es bislang immer einen Pool, der war aber in der Regel nicht beheizt oder sauber und die Geräte allesamt rostig. Dafür waren diese Einrichtungen bislang immer im Preis enthalten oder ohne Hotel für 15 Euro für den gesamten Tag zu besuchen.

Zum Glück ist hier das Wetter aktuell sehr angenehm mit ca. 15-20 Grad und es gibt einfach unglaublich viel Platz zum Laufen mit einer sehr malerischen Landschaft. So bin ich in den letzten 16 Tagen über 50 km durch die Landschaft gejoggt.

Passend dazu fand heute in Napier ein Marathon statt, an dem ich natürlich nicht teilgenommen habe. Aber ich habe mich für den 10 km-Lauf angemeldet. Der Lauf ging durch eine wirklich schöne Natur und es war sehr angenehm, dass es fast die gesamte Zeit leicht bergab ging. Man konnte also sehr schön laufen. Was es dann aber für mich wieder sehr anstrengend gemacht hat, war der Beginn dieser Lauf um 7:45. Da wir dafür erst noch 20 km mit dem Auto raus fahren mussten, sind wir um 7:00 los. Da der Lauf so weit weg von der Stadt war, sind fast alle mit dem Auto angereist und es gab erst mal einen richtig großen Stau. So bin ich mit fast 20min Verspätung über den Start gelaufen.

Als Erfrischungsgetränk gab es übrigens nach dem Lauf für jeden Läufer ein Glas Neuseeländischen Wein. Ich habe aber darauf verzichtet, weil es immer noch vor meiner normalen Zeit (kurz nach 9.00 morgens) war und habe mich stattdessen noch mal zwei Stunden ins Bett gelegt.

Japanische Hinweisschilder

In Japan gibt es an jeder Ecke Schilder, die einen warnen oder auf etwas hinweisen sollen. In der Regel werden diese Schilder durch Bilder ergänzt, damit jeder versteht worum es geht. Das klappt mal besser mal schlechter.

Japanische Automaten

Japan hat an sehr vielen Stellen Automaten stehen, über die man fast alles beziehen kann. Über die Getränkeautomaten hatten wir ja schon berichtet.

10 Dinge, die mich in Japan überrascht haben

1. Käse

Irgendwie habe ich die japanische Küche nie mit Käse in Verbindung gebracht. Auch hält sich das Gerücht, die Asiaten wären alle laktoseintolerant. Na ja selbst wenn, scheinen sie ihn trotzdem zu Essen. Zumindest in den Szenevierteln von Tokyo gibt es überall Gerichte mit sehr viel Käse.

Wirkliche Quellen über den Trend habe ich nicht gefunden. Auch Internetblogs beschreiben eher, wie schwierig es ist, Käse zu bekommen. Anscheinend ist das also ein neuer Trend?

2. Bier

Auch hier hält sich das Gerücht, Asiaten würden keinen Alkohol vertragen. Also auch wenn dem so ist, scheinen sie ihn trotzdem zu trinken. In Japan gibt es immer überall Bier zu nicht unbedingt günstigen Preisen.

Zwar liegt der Pro-Kopf-Konsum nur bei der Hälfte von dem von Deutschland, aber immer noch vor Frankreich.

3. Müll

Nein es gibt keinen Müll auf den Straßen, nie nirgendwo. Japan ist sehr sauber. Aber es gibt auch keine Mülleimer. Das erstaunt um so mehr, da man alle 2m Essen auf die Hand kaufen kann, das gerne noch mehrfach eingepackt ist. Die Verpackung kann man aber so gut wie nirgendwo loswerden. Nach einem Giftgasanschlag in 1995 wurden alle Mülleimer abgebaut… und seitdem auch nicht mehr aufgestellt. Die Menschen nehmen ihren Müll jetzt mit nach Hause oder entsorgen ihn in einem der privaten Mülleimer, die es in verschiedenen Läden gibt. Siehe auch: https://wanderweib.de/tipps-muell-entsorgen-in-japan/

3. Getränkeautomaten

Ok, das ist für einen Europäer jetzt nichts total Neues, aber diese Automaten gibt es hier wirklich und wortwörtlich an jeder Ecke und häufig auch noch dazwischen. Dort können die üblichen Kaltgetränke gekauft werden und häufig auch erwärmte Dosen mit veschiedenen Kaffeegemischen. Blau sind die kalten Getränke und rot die warmen.

5. Beheizte Klobrillen sind der Hammer

Ok, die japanischen Klos sind bei uns ja schon bekannt und keine große Überraschung. Aber ich wusste nicht, wie gut ich es finden werde mich immer auf eine angewärmte Klobrille setzen zu können. Wenn dann um einen herum noch alles pico bello sauber ist und man die Bidet-Funktion mit einer „unten-rum Föhnfunktion“ abrunden kann, dann wird selbst der Besuch eines Kaufhausklos zu einem äußerst entspannenden Erlebnis. Der Klobesuch ist hier übrigens immer kostenlos!

6. Hocktoiletten

Nachdem ich in der ersten Woche ausschließlich hochtechnisierte Klos vorgefunden habe, hat mich dieses Stehklo doch etwas überrascht.

Anleitung für die Toilette

7. Sehr wackelige Stromkonstruktionen

Das Land scheint an vielen Stellen moderner als unseres. Überall surren Hybridautos leise durch die Straßen und alle hängen konstant über ihrem Handy. Sie brauchen also immer viel Strom. Nur die Stromzufuhr erinnert bei den sicherheitsliebenden Japanern doch eher an die Zeit vor 40 Jahren.

Eher besseres Exemplar der Oberleitungen

8. CDs, DVDs und Organizer

Alles Dinge, die mir schon sehr retro vorkommen, werden hier noch in Massen in den Geschäften angeboten. Obwohl wirklich jeder ein Smartphone in der Hand hat, gibt es extra Geräte für die Verwaltung von Terminen oder zum Übersetzen in eine fremde Sprache. Alle lauschen konstant Musik aus ihrem Handy, aber die Geschäfte sind voll von Musik-CD und Video-DVDs. Warum hat sich mir noch nicht erschlossen.

9. nicht mehr

Dass mich nur 8 Dinge gewundert habe. Am Ende sind wir doch alle irgendwie gleich.

Check-In

Am Securitycheck für die Gates D1-10 hatte sich vor ein paar Stunden jemand übergeben. Zwar hatte das Reinigungspersonal alles Sichtbare entfernt, aber der beißend-saure Geruch hing noch immer in der Luft als wir dort ankamen. Während wir versuchten sämtliche Elektronik aus unserem Handgepäck in verschiedene Plastikbehälter zu packen ohne uns durch den Geruch angestachelt ebenfalls zu übergeben, ermahnte uns die Stimme von Bruce Willis in regelmäßigen Abständen unser Gepäck zu keinem Zeitpunkt aus den Augen zu lassen. Ein Unterfangen das Angesichts der zehn befüllten Plastikkisten ans Unmögliche grenzte.

Eine der zahlreichen Dutyfree-Parfümerien hatte das gesamte Personal mit kleine parfümierten Teststreifen ausgestattet, damit diese die restlichen Stunden ihrer Schicht ohne Zwischenfall durchleben konnten.

Wahrscheinlich hatte die Buchauswahl am einzigen  Zeitschriften Kiosk zwischen Kontrolle und Gate, bei einem Passagier die Flugangst und damit den Brechreiz erst ausgelöst. Neben zwei Liebesromanen waren dort ausschließlich Katastrophenromane insbesondere von Flugzeugabstürzen zu finden.

Die perfekte Organisation der japanischen Fluglinie ließ ab dem Ankommen am Gate allerdings keinen Zweifel mehr offen, dass irgendetwas schief gehen könnte. Mit äußerster Freundlichkeit wurden wir ordentlich und diszipliniert ins Flugzeug geleitet.

P.S.: Eine Checkliste mit 40 Positionen und eine Packliste mit 80 Objekten haben uns übrigens nicht daran gehindert, die japanischen Zugtickets zu Hause zu vergessen. Schaut die nächsten Tage mal rein ob und wie wir es noch bekommen, oder ob wir tatsächlich noch mal 1000 Euro für neue Zugtickets ausgeben müssen.

Reisevorbereitungen – Packtaschen

Wie in der letzten Podcast-Folge erzählt haben wir auf den letzten Dienstreisen das Pack-System getestet.

Die Kleidung wird immer pro Wochentag in Taschen gepackt, so dass man immer nur eine aus dem Rucksack ziehen muss und nicht lange rumwühlt. Damit ich weiß, welche Tasche ich gerade brauche, habe ich sie mit verschiedenen laminierten Anhänger versehen, die immer den geplanten Wochentag angeben.

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