Mit KiwiRail nach Auckland

Bevor wir aus Neuseeland wieder abreisen, stand noch eine Zugreise von Wellington nach Auckland an. Wellington, im Süden der Nordinsel an der Cook-Straße gelegen, ist die Hauptstadt, Auckland, die größte Stadt des Landes.

Doch bevor wir den Zug bestiegen, fuhren wir noch mit dem anderen schienengebunden Verkehrsmittel der Hauptstadt: der Standseilbahn!

Wellington Cable Car mit Aussicht auf die Stadt

In Wellington wird die Standseilbahn als Cable Car bezeichnet. Eigentlich bezeichnet Cable Car, auf Deutsch Kabelstraßenbahn, eine Bahn, die von einem dauerhaft umlaufenden Seil gezogen, bei der die Wagen aber nicht fix mit dem Seil verbunden sind. Die einzigen Cable Cars in diesem Sinne fahren heute noch in San Francisco. Somit ist die Bezeichnung Cable Car für eine Standseilbahn, bei der die Wagen ja fest mit einen Seil verbunden sind, das sowohl die Wagen hält als auch für den Vortrieb sorgt, eigentlich nicht korrekt.

In Wellington ist es aber komplizierter. Die heutige Standseilbahn hatte einen Vorläufer. Der war zwar auch eine Standseilbahn, bei der, wie heute, das Halteseil ganz gewöhnlich an der Bergstation über eine Rolle umläuft und fest mit den Wagen verbunden ist. Allerdings war das Halteseil nicht für den Antrieb zuständig. Vielmehr gab es zusätzlich ein Antriebsseil, in das sich der talfahrende Wagen, wie bei einer Kabelstraßenbahn, über einen Greifer einhakte. Der bergfahrende Wagen wurde vom talfahrenden über das selbst nicht direkt angetriebene Halteseil nach oben gezogen. Dieses Prinzip wird im Cable Car Museum, das sich an der Bergstation befindet, erklärt. Dort sind auch Wagen der alten Cable Car ausgestellt.

Greifer in einem Wagen der alten Wellington Cable Car
Ein Wagen der alten Wellington Cable Car

Die Cable Car ist auch heute noch nicht nur eine Touristenattraktion, sondern auch echte Verkehrsbedürfnisse. Sie verbindet die Innenstadt sowohl mit dem botanischen Garten als auch mit dem Stadtteil Kelburn und einem Campus der Universität.

Hinweisschild am Eingang der Talstation

Unweit der Talstation befindet sich dann der Bahnhof, von wo drei Mal in der Woche kurz vor 8 Uhr morgens der Northern Explorer nach Auckland abfährt.

Wellington Railway Station

An einem Sonntag ist um diese Uhrzeit nicht sehr viel los. Unter der Woche dürfte das anders aussehen, denn der Bahnhof ist Endpunkt aller Vorortlinien. Vier Linien sind mit 1500V elektrifiziert und werden mit zweiteiligen Triebwagen betrieben, eine Regionallinie nach Masterton fährt fünf Mal am Tag diesellokbespannt. Fernverkehr gibt es außer dem Northern Explorer nach Auckland nicht wirklich. Ein Zug kommt als “Capital Connection” montags bis freitags morgens für Berufspendler aus Palmerston North, etwas mehr als zwei Stunden nördlich, nach Wellington und fährt abends zurück.

Vorortzug in Wellington

Der Northern Explorer ist hauptsächlich für Touristen interessant. Bei einer Reisezeit von fast 11 Stunden ins etwa 500km Luftlinie entfernte Auckland entscheidet sich, wer es eilig hat, für das Flugzeug.

Der Zug besteht nur aus einer Lok und fünf Wagen. Hinter der Lok ist ein Gepäckwagen eingereiht. Vor der Abfahrt, nach dem man seine elektronisch gebuchte Fahrkarte in eine Bordkarte getauscht und das Gepäck getaggt wurde, kann man das dort abgeben.

Northern Explorer in Wellington, Lok

Nach dem Packwagen folgen ein normaler Sitzwagen, …

Northern Explorer in Wellington, Wagen

… ein Café-Wagen und ein weiterer Sitzwagen, …

Northern Explorer in Wellington, Barwagen

… und zum Schluss ein Generatorwagen für die Stromversorgung.

Northern Explorer in Wellington, Generatorwagen

Der Generatorwagen dient eigentlich auch als Aussichtswagen, mit offenen Seiten zum Fotografieren, allerdings hat sich wohl kürzlich mal jemand im wahrsten Sinne des Wortes zu weit hinausgelehnt. Der Wagen ist daher leider aktuell für Reisende geschlossen, bis eine sichere Lösung gefunden wird.

Northern Explorer: Innenansicht eines Wagens

Die Reisezugwagen haben schön große Panoramafenster und sind mit verstellbaren Sitzen recht bequem. Sie erinnern etwas an die Wagen des Glacier Express, sind aber made in New Zealand.

Die Strecke führt anfangs an der Küste entlang und später dann durch das landschaftlich eben so schöne Landesinnere. Mit Fotos aus dem fahrenden Zug ist das ja immer so eine Sache, besonders, wenn Regentropfen auf der Scheibe sind. Das Wetter war leider nicht durchgehend sonnig. Deswegen beschränke ich mich mal hier auf ein paar Symbolbilder.

Landschaft

Die berühmten Berge der Nordinsel, Ngauruhoe (als Schicksalsberg aus Herr der Ringe bekannt) und Ruapehu, haben sich leider vom Zug aus in den Wolken rar gemacht, weswegen ich nur ein Bild zeigen kann, das ich vorher aus Taupo gemacht habe.

Ruapehu und Ngauruhoe, über den Lake Taupo gesehen

Der mittlere Teil der Hauptstrecke der Nordinsel, dem North Island Main Trunk, muss stellenweise große Höhenunterschiede überwinden. Dies machte sogar an einer Stelle den Bau eines Spiraltunnels notwendig. Die Strecke ist zwischen Palmerston North und Hamilton mit 25 kV elektrifiziert.

North Island Main Trunk

Die einzigen E-Loks in Neuseeland sind die sechsachsigen Class EF. Einige Güterzüge werden an den Endpunkten des elektrifizierten Teils umgespannt. An dem Sonntag, an dem wir unterwegs waren, gab es aber überhaupt nur sehr wenige Züge zu sehen und die wurden auch unter der Fahrleitung von der Class DL aus chinesischer Produktion (mit deutschem Motor) gezogen. Auch unser Northern Explorer war durchgehend von einer dieselelektrischen DFB bespannt. Die EF sind am Ende ihrer Lebensdauer angelangt. Tatsächlich wollte Kiwi Rail auf Dieseltraktion zurückgehen, allerdings wurde nun entschieden, die EF zu modernisieren. Sogar ein Lückenschluss der Elektrifizierung bis nach Auckland, wo die Vorortlinien ebenfalls mit 25 kV elektrifiziert sind, wurde schon diskutiert. Ein Lückenschluss im Süden nach Wellington wäre wegen des unterschiedlichen Stromsystems schwieriger und würde sinnvollerweise die Anschaffung von Mehrsystemloks nach sich ziehen. Wahrscheinlich wird das so schnell nicht passieren.

Ein interessanter Zwischenstopp auf dem weiteren Weg nach Auckland ist noch Otorohanga, Ausgangspunkt für touristische Ziele wie die Waitomo-Höhlen. Dort befindet sich ein Vogelpark, das Kiwi-Haus, das wir vorher schon einmal besucht haben. Da Kiwis nachtaktiv sind und man sie schlecht fotografieren kann, hier stattdessen das Bild eines Tui aus dem Kiwi-Haus.

Tui

Am nächsten Zwischenhalt in Hamilton ist man schon fast im Einzugsbereich von Auckland. Hier zweigt der East Coast Main Trunk (ECMT) in die Hafenstadt Tauranga ab und es ließen sich zwei Güterzüge sehen. Am ECMT gab es früher einmal einen unterirdischen Bahnsteig in der Innenstadt von Hamilton, allerdings ist hier heute nur noch Güterverkehr. Durch Hamilton fließt der mächtige Waikato River, hier ein Bild von einem früheren Besuch.

Waikato River in Hamilton

Ganz im Hintergrund ist die Brücke des ECMT, die links in den Tunnel mit der unterirdischen Geisterstation verschwindet.

Außer dem Northern Explorer gibt es derzeit keinen Personenverkehr in Hamilton, aber eine Verbindung nach Auckland soll 2020 wieder eingeführt werden. Aktuell sieht es so aus, dass es, ähnlich wie bei der Capital Connection, bei einem oder zwei Zugpaaren montags bis freitags bleiben wird.

Nach zwei Zwischenstationen, schon im Einzugsbereich der Vorortzüge, erreichten wir schließlich Auckland, schon im Dunkeln. Der Northern Explorer endet als einziger Zug an der Station Auckland Strand.

Auckland Strand

Der eigentliche “Hauptbahnhof” von Auckland ist Britomart. Seit der Elektrifizierung des Vorortnetzes von Auckland darf der Northern Explorer aber in diese fünfgleisige unterirdische Station nicht mehr hinein. Zu Zeiten des Dieselbetriebs waren Abzugsanlagen für die Abgase installiert, die im Zuge der Elektrifizierung abgebaut wurden. Somit müssen die Fahrgäste des Northern Explorer heute für die letzten paar Meter ins Stadtzentrum in einen Anschlussbus umsteigen.

Auckland Britomart

Der Kopfbahnhof Britomart ist auch nach der abgeschlossenen Elektrifizierung weiterhin Baustelle, da eine Tunnelstrecke unter der Innenstadt gebaut und Britomart somit zum Durchgangsbahnhof wird. Das ist auch notwendig, da die Vorortzüge in dichtem Takt fahren und sich bei der Ein- und Ausfahrt sehr oft gegenseitig im Weg stehen.

Die Vorortzüge werden mit neuen, dreiteiligen Triebzügen gefahren, hier an der Station Orakei.

Vorortzug an der Station Orakei

In Wellington begann die Reise mit einer Standseilbahn, in Auckland endet sie mit einer Straßenbahn. Sie verbindet als Museumsbetrieb die zwei Standorte des Museums für Transport und Technik sowie den Zoo miteinander.

Museumsstraßenbahn in Auckland

Und somit verabschiede ich mich aus Auckland mit einer Ansicht der Innenstadt (hierzulande CBD genannt, für Central Business District) von der Fähre aus und einem Blick auf die Harbour Bridge.

Auckland CBD
Auckland Harbour Bridge

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