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Die Eisenbahn in der Cerdanya, Teil 3: El tren groc

Im zweiten Teil ging es von Puigcerdà nach La Tour de Carol-Enveitg.

Der gelbe Zug (katalanisch tren groc, französisch train jaune) fährt von La Tour de Carol nach Villefranche (katalanisch Vilafranca), wo Anschluss nach Perpignan (oder katalanisch Perpinyà) besteht. Die katalanischen Namen kommen daher, dass das heutige französische Dèpartement Pyrénées-Orientales bis zum Pyrenäenfrieden 1659 am Ende des Französisch-Spanischen Krieges zu Spanien gehörte und historisch gesehen Nordkatalonien ist.

Die Ligne de Cerdagne genannte Strecke führt in Meterspur durch die Pyrenäen. Die Schmalspur erleichterte bzw. verbilligte gegenüber Normalspur den Bau der Bahn in schwierigem Gelände. Wegen der vorhandenen Wasserkraft wurde die Bahn von Anfang an elektrisch betrieben. Die Konstruktion mit einer seitlichen Stromschiene, wie man sie sonst nur von U-Bahnen kennt, ist ebenfalls eine einfachere Bauweise als mit einer Oberleitung und ermöglicht den Bau von Tunnels mit einem kleineren Querschnitt.

El tren groc kurz hinter La Tour de Carol
El tren groc kurz hinter La Tour de Carol

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Die Eisenbahn in der Cerdanya, Teil 1: Puigcerdà

Möchte man von Frankreich nach Spanien oder umgekehrt mit dem Zug reisen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Der moderne und schnelle Weg ist mit TGV oder AVE über die Neubaustrecke Perpignan-Barcelona durch den Perthus-Tunnel. Der klassische Weg nach Barcelona führt über Cerbère und Portbou, der ins Baskenland oder mit dem Nachtzug nach Lissabon über Hendaye und Irùn. Doch es gibt noch eine vierte Variante: Von La Tour de Carol nach Puigcerdà in den Pyrenäen. Der Bahnhof La Tour de Carol ist einer der wenigen Bahnhöfe, in denen drei elektrifizierte Strecken mit drei Spurweiten und drei Stromsystemen zusammenkommen. Das und die tolle Landschaft sind Gründe genug, der Gegend einen Besuch abzustatten.

Bahnhof Puigcerdà von Norden
Unser Zwischenziel: Der Bahnhof von Puigcerdà

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No tinguis por

Bisher weitgehend ohne große Präsenz in den deutschen Medien wird am heutigen Sonntag in Katalonien gewählt. Die Wahlen haben eine besondere Bedeutung, da sie eine Quasi-Volksabstimmung für eine Unabhängigkeit sind. Die Volksbefragung über die Unabhängigkeit wurde vor etwa einem Jahr für verboten erklärt und anschließend dennoch durchgeführt. Bei dieser Befragung stimmte eine große Mehrheit für eine Loslösung von Spanien. Diese Mehrheit ist allerdings nicht aussagekräftig, da sich viele Gegner der Unabhängigkeit gar nicht erst an der Abstimmung, die sie für illegal betrachteten, beteiligten.

Bei den heutigen Wahlen haben sich alle Parteien klar in der Unabhängigkeitsfrage positioniert. Die meisten Befürworterparteien haben sich im Bündnis „Junts pel si“ („Zusammen für das Ja“) organisiert. Die linke CUP ist nicht Teil des Bündnisses, tritt aber ebenfalls für die Unabhängigkeit ein. Beide zusammen hatten in den letzten Umfragen eine absolute Mehrheit erreicht, während die in Spanien regierende PP in Katalonien bei unter 20% steht.

Zuletzt sprach sich die Vereinigung der Banken, die sich bisher nicht geäußert hatten, gegen die Unabhängigkeit aus. Eine auf diese Weise geartete „Angstkampagne“ ist aber nicht zielführend. Die Banken mögen zwar ein Interesse an einem Katalonien als Teil Spaniens haben. Allerdings ist kaum davon auszugehen, dass die Katalanen irgendwann ohne Geld da stehen. In der Vergangenheit hat sich stets gezeigt, dass Banken überall präsent sind, wo sie Geschäfte machen können.

Es bleibt den Katalanen zu wünschen, dass Sie ihre heutige Entscheidung rational und ohne Angst treffen.

Decidiu amb el cap, amb el cor i sense por.

 

Castells

Gestern zeigten aus Anlass der Festes de Santa Tecla die vier Gruppen Xiquets de Tarragona, Colla Vella dels Xiquets de Valls, Castellers de Vilafranca und Colla Jove de Tarragona wieder Castells auf dem Plaça de la Font in Tarragona.

Wir standen dieses Jahr nur wenige Meter von den Castellers de Vilafranca entfernt und konnten aus nächster Nähe beobachten, wie ein 3de10fm aufgebaut wurde, ein Castell des höchsten Schwierigkeitsgrads!

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Aber das waren natürlich nicht das einzige Castell. Es folgen ein paar Eindrücke.

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Katalonien hat abgestimmt

Gestern fand in Katalonien eine Volksbefragung über die mögliche Unabhängigkeit statt, auch die Tagesschau berichtete.

Eine offiziell organisierte oder gar verbindliche Abstimmung war verboten worden, aber mit der Hilfe von Freiwilligen und dem Willen der Bevölkerung, sich notfalls auch jedem Verbot zu widersetzen, wurde dennoch eine Wahl durchgeführt, die allerdings formalrechtlich jetzt eher den Charakter einer symbolischen Umfrage hat.

Erwartungsgemäß ist das Ergebnis eindeutig: Fast 81% sprachen sich für eine komplette Unabhängigkeit aus, 10% für Katalonien als Staat, aber innerhalb Spaniens, und weniger als 5% waren gegen jede Art der Unabhängigkeit, so berichtet der katalanische Fernsehsender 324.

Ergebnis der Volksbefragung, Grafik direkt von 324.cat eingebunden

Das Ergebnis ist natürlich mit Vorsicht zu genießen und nur in Verbindung mit der Wahlbeteiligung zu sehen. Da die Unabhängigkeitsgegner schon die Abstimmung als illegal betrachten, muss man wohl davon ausgehen, dass von den Abstimmungsberechtigten, die sich nicht beteiligt haben, eine überwiegende Mehrheit mit „nein“ gestimmt hätte, wenn es sich um ein vollwertiges Referendum gehandelt hätte.

Bei einer Wahlbeteiligung von über 50% spricht das Ergebnis dennoch eine deutliche Sprache. Es stellt sich ernsthaft die Frage, wie lange die Regierung Rajoy auf ihrem jetzigen Standpunkt, die Abstimmung sei wertlos, beharren kann.

Katalonien stimmt ab

Nachdem das spanische Verfassungstribunal die geplante Volksbefragung über die Unabhängigkeit Kataloniens sowohl in ihrer ursprünglichen als auch in einer späteren modifizierten Version verboten hat, findet heute trotzdem eine Abstimmung statt. Mit einigen Einschränkungen setzt sich Katalonien also über das Verbot hinweg. Vom Ergebnis her aber hat das heutige Ereignis eher den Charakter einer Umfrage, auch wenn es Wahlurnen gibt, die wie bei offiziellen Wahlen zum Beispiel in Schulen oder anderen öffentlichen Institutionen aufgestellt sind. Die Durchführung erfolgt ausschließlich durch Freiwillige, die Auszählung soll allerdings unter offizieller Kontrolle stattfinden.

Obwohl natürlich durch den Mauerfall vor 25 Jahren überschattet, berichtet die Tagesschau sogar relativ prominent.

Der katalanische Sender 324 berichtet von langen Schlangen und einem geordneten Ablauf, aber auch von einzelnen Störversuchen durch Gegner wie zum Beispiel dem Versiegeln von Türen mit Silikon oder sogar der Blockierung von Telefonen und Internetzugängen.

Aktuell: Volksbefragung in Katalonien soll stattfinden!

Letztes Update 4. Oktober 11:24 Uhr

Wie das katalanische Fernsehsen soeben berichtete, hat ein Bündnis von Parteien um den Präsidenten Artur Mas gestern Abend gegen 22 Uhr beschlossen, dass die Volksbefragung am 9. November entgegen dem Willen des spanischen Verfassungstribunals dennoch stattfinden soll.

Das spanische Verfassungstribunal hatte einen Einspruch gegen das katalanische Gesetz über die Volksbefragung und den entsprechenden Erlass zur Durchführung der Volksbefragung über die Unabhängigkeit angenommen und im Schnellverfahren angeordnet, dass das katalanische Gesetz einstweilig ausgesetzt wird.

Katalonien stellt sich somit gegen direkt gegen das spanische Verfassungstribunal und folgt stattdessem dem Ruf seiner Bevölkerung, die am 30. September zu zehntausenden auf die Straße ging und „Wir wollen wählen!“ skandierte.

Mas sagte: „Wir gehen voran, wir werden vorangehen und wir werden das zusammen tun“.

Update

Deutschsprachige Quellen gibt es merkwürdigerweise kaum, ich habe bis jetzt (4. Oktober, 10:25 Uhr) nur einen Bericht bei N24 und einen beim österreichischen „Standard“ gefunden. Im Vereinigten Königreich berichtet die BBC. Was dort aber nirgends steht:

  • Es geht immer noch nicht um ein Referendum, sondern um eine rechtlich nicht verbindliche Volksbefragung!
  • Die Parteien, die sich für die Durchführung der Volksbefragung aussprechen, haben im Parlament 107 von 135 Stimmen.

Außerdem habe ich noch einen englischsprachigen Bericht auf der katalanischen Webseite „VilaWeb“ gefunden.

2. Update

  • Mehrere katalanische Fernsehsender berichten live: In Barcelona findet gerade ein Treffen der katalanischen Bürgermeister statt, die sich für die Durchführung der Befragung einsetzen. Das sind 90% der Bürgermeister in Katalonien.
  • Davor stehen friedliche Demonstranten, die die Estelada, die Flagge der Unabhängigkeitsbefürworter, zeigen.
  • Dazwischen lief ein offizieller Werbespot der Generalitat: „1714–2014. Erem. Som. Serem.“ („Wir waren. Wir sind. Wir werden sein.“) 1714 markiert den Fall Barcelonas am Ende des spanischen Erbfolgekrieges und für Katalonien den Verlust der Eigenständigkeit und die Eingliederung in den spanischen Zentralstaat.

Zusammengefasst kann man wohl sagen, dass es gerade in Katalonien ziemlich interessant wird. Die Volksvertreter Kataloniens setzen sich mit großer Mehrheit direkt über das Verbot der Volksbefragung durch das spanische Verfassungsgericht hinweg.