Archiv der Kategorie: Szenen aus dem Leben

Mit dem E-Bike nach Furtwangen

Passend zum Sommersemester an der Hochschule und somit zur E-Bike-Saison habe ich ein paar Touren bei Outdooractive veröffentlicht. Da ich mein Fahrrad öfters mit der Bahn transportiere, liegt der Fokus auf Strecken von und nach Bahnhöfen im Umkreis von Furtwangen. Das kommt aber sicher auch jenen gelegen, die eine Streckentour fahren und mit dem Rad im Zug anreisen wollen. In Furtwangen lassen sich die Touren dann entsprechend verknüpfen.

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Das Ende des Buches oder die Demokratisierung des Wissens?

Ein kleiner Disclaimer vorab:


Beim folgenden Text handelt es sich um meine Meinung als Privatperson: Zwar arbeite ich beruflich in der Nationalbibliothek, aber die folgenden Aussagen sind keine offizielle Äußerung der Bibliothek.


Vor ein paar Wochen hat die Nationalbibliothek bekannt gemacht, dass sie bei Werken die sowohl digital wie auch gedruckt vorhanden sind, nur noch die digitale Ausgabe zur Verfügung stellt.

Diese Bekanntmachung hat vor allem in der FAZ zu einer Reihe von extrem schlecht recherchierten Artikeln geführt, die nicht wirklich über dem Niveau von der Bild liegen [Zwangsigitalisiert], [Bildschirm als Schonung], [Aufzeichnungen aus dem Kellerloch]. Wobei ich schon den Eindruck habe, dass die Bild meistens mehr recherchiert.

Also was ist eigentlich los?

Eine Archivbibliothek ist immer in einem Konflikt zwischen Nutzerservice und Archivierung. Der Sinn eines Archives ist es, Materialien für die Nutzung zu verwahren. Nur leider macht die Nutzung diese Dinge häufig kaputt. Viele Bücher, die produziert werden, sind nicht dafür gemacht, mehrfach – also mehr als 5–10 mal – intensiv gelesen zu werden. Bei beliebten Büchern kann das aber durchaus vorkommen.

Um das Dilemma zu lösen, gab es immer schon verschiedene Lösungsansätze. Einige Nationalbibliotheken sammeln immer gleich mehrere Exemplare ein. So sammeln Peru und Venezuela immer drei Exemplare jeder Veröffentlichung und andere Nationalbibliotheken noch viel mehr davon. Viele Nationalbibliotheken bieten ihren Bestand nur einer „wissenschaftlichen Elite“ an. Wenn man also nicht mindestens eine Doktorarbeit schreibt, kommt man gar nicht erst an die Bücher. Andere Bibliotheken kaufen einfach konstant nach. So läuft es in allen Stadtbüchereien und in den Unibibliotheken ebenfalls.

Auch die Deutsche Nationalbibliothek kauft bei viel gefragten Nachschlagewerken noch weitere Ausgaben für den „Verbrauch“ [http://d-nb.info/98008184X].

Leider hat keine Bibliothek ein unbegrenztes Budget und häufig gehen die Bücher auch kaputt, wenn sie gar nicht mehr käuflich zu erwerben sind. Natürlich kann man diese restaurieren. Aber auch die reparierten Varianten können nur wieder bedingt häufig genutzt werden.

kaputtes Buch
Bild aus dem Artikel: „Digitalisierung in der Deutschen Nationalbibliothek“ von Kurt Schneider

Diese Bücher waren lange tatsächlich weggesperrt und konnten nicht mehr genutzt werden. Durch die Digitalisierung können diese Werke schon länger wieder unbegrenzt konsumiert werden und das sogar häufig auch von zuhause.

Diese Variante führt also dazu, dass ein Titel nicht fünf, mal sondern millionenmal genutzt werden kann.

Soviel zu den für mich überzeugenden Gründen. Als Bibliothek hat man die Aufgabe, möglichst viele Menschen mit Informationen zu versorgen. Digitale Bücher erlauben es, wesentlich effektiver mehr Menschen den Zugang zu Wissen zu ermöglichen.

Was ist jetzt mit der kompletten Sperrung aller gedruckten Materialien für die Nutzer?

Ende 2015 hatte die Nationalbibliografie ungefähr 15.000.000 Titel insgesamt. Von diesen 15.000.000 waren bereits 2.000.000 originär digitale Publikationen. Von den restlichen 13.000.0000 wurden in den letzten Wochen 500.000 Publikationen als ebenfalls digital vorhanden markiert und für die Ausleihe gesperrt. 500.000 ist eine große Zahl, aber im Vergleich zu allen sind das 3%, die digital genutzt werden sollen obwohl es eine gedruckte Ausgabe gibt.

Die Zahlen entstammen dem Jahresbericht 2015: urn:nbn:de:101-2016052300

Bei 13% aller Publikationen gab es noch nie eine gedruckte Ausgabe. Insbesondere diese Zahl wird die nächsten Jahre noch stark steigen. So wurden schon 2015 mehr Netzpublikationen als körperliche Medien veröffentlicht und in 2016 ist das Verhältnis schon fast 1:3.

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Nachvollziehbar Reihe O: Reihe A und B 

Die Welt der Bücher wird also digital, ob wir das gut finden oder nicht! Es wird Zeit, sich damit zu beschäftigen, wie man sie noch besser konsumieren kann und das große Potential der schnellen Verfügbarkeit vernünftig nutzt.

#sentimjunts – Teil 3: Der erste Auftritt – Hem fet historia!

Die Bezeichnungen Auftritt und Probe sind eigentlich etwas irreführend. In Wirklichkeit sind die Auftritte knallharte Wettbewerbe, in denen man Punkte für das Jahresranking sammelt. Jedes Castell hat dabei unterschiedlich viele Punkte. Einen Teil der Punkte gibt es bei korrektem Aufbau (carregat) und die volle Punktzahl, wenn auch der Abbau (descarregat) noch klappt.

In den Proben (Trainings) werden die verschiedenen Castells ausführlich geübt, in der Hoffnung, dass sie dann auf dem Platz (wo der Wettbewerb stattfindet) auf- und abgebaut werden können.

Die Bezeichnungen Auftritt und Probe kommen daher, dass die Castells aus den Valenzianischen Tänzen (und die wiederum aus den Moixiganga) hervorgegangen sind und es zunächst wirklich nur Auftritte waren.

Am letzten Sonntag war es dann soweit. Wir waren bei unserem ersten Auftritt dabei. Und dieser sollte gleich zu einem der besten werden, den die Colla Jove dieses Jahr bislang hatte. Mich überkommt aber die Vermutung, dass es da nicht primär an uns beiden lag. Trotzdem war das ein legendäres Erlebnis.

Alle Mitglieder der Colla versammeln sich zunächst im Vereinshaus:

Anke vor dem Lokal der Colla (am Tag danach)
Anke vorm Lokal der Colla (am Tag danach)

Dann geht es in weißen Hosen mit Faixa und lila Hemd zum Platz, wo der Wettbewerb stattfindet. Voran laufen die Musiker und untermalen den Einmarsch. In unserem Fall waren das nur ca. 100 Meter vom Vereinshaus zum Platz und da fast 300 Mitglieder dabei waren, hat sich der komplette Weg kurzfristig lila gefärbt.

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Moixiganga

Bevor Anke mit dem dritten Teil unserer Erlebnisse bei der Colla Jove Xiquets de Tarragona weiter macht, dränge ich mich mal kurz dazwischen mit dem im Kommentar zum zweiten Teil versprochenen Bild einer Moixiganga-Aufführung.

Die Moixiganga sind eine Tradition aus dem 15. Jahrhundert und können als Vorläufer der Castells betrachtet werden. Es handelt sich dabei um eine getanzte Repräsentation der Passion Christi.

Am 22. September führten die So Nat, Grallers de Tarragona anlässlich des Santa-Tecla-Festes eine Moixiganga auf dem Plaça de les Cols auf.

Moixiganga auf dem Plaça de les Cols in Tarragona am 22.09.2016
Moixiganga auf dem Plaça de les Cols in Tarragona am 22.09.2016

#sentimjunts – Teil 2: Faixa und das erste Training

Hauptaufgabe der Faixa ist es, dem Casteller zu helfen, die „Haltung“ zu bewahren. Der lange feste Schal wird dafür sehr eng merhfach um die Taille gebunden. Ab diesem Punkt geht man sofort von der tiefen Bauchatmung in die Brustatmung über und man kann das Gewicht, das auf einem liegt, besser verteilen.

Faixa
Andreas bindet sich die Faixa um.

Da die Faixa das wichtigste Ausrüstungstück eines Castellers ist, war auch das der Teil, den wir beim Training als erstes erklärt bekommen haben.

Das Training ist definitv anders als sich das die meisten Leser vorstellen! Aktuell hat die Colla Jove ca. 350 Mitglieder, von denen mindestens die Hälfte bei unserem ersten Training dabei waren. Dementsprechend voll und zunächst chaotisch war die Trainigshalle.

Vor dem Eingang haben ein paar etwas ältere Damen den Verkaufsstand und die Haupttür der Halle war offen, so dass die Mitglieder konstant zwischen Halle und Straße davor hin und her gingen.

Wenn man in die Halle kommt, fallen einem schnell ein paar Leute auf, die mit Klemmbrettern und komplexen geometrischen Zeichnungen auf Papier in den Ecken stehen und suchend umhersehen. Alle paar Minuten kritzeln sie etwas auf ihr Papier und schreiben Namen in kleine Kästchen. Die Leute sind vom „Equip de pinyes“ (dem „Ananas-Team“) und ordnen die Mitglieder nach ihrer Größe und Stärke in die Pinya ein.

Die Pinya ist die Basis eines jeden Castells, fängt einen Teil des Gewichtes ab und sorgt für Stabilität.

Auf dem Bild unten sieht man noch die Folre. Diese gibt zusätzlich Stabiltiät und wird bei sehr hohen Castells benutzt.

Die ersten Trainings bestanden vor allem daraus, die Pinya zu verstärken. Für eine ehemalige Westfälin eine durchaus gewöhnungsbedürftige Aktion. Man steht sehr sehr eng gedrückt nebeneinander und versucht der Konstruktion möglichst Stabilität zu geben. Nach kurzer Zeit wird es unglaublich heiß und man schwitzt konstant. Aus Sicherhheitsgründen hält man den Kopf nach unten und bekommt vom gesamten Castell nur die Anweisungen des Trainers mit. Wenn es eine Folre (also eine Pinya in der zweiten Etage) gibt, dann steht auch mal jemand auf einem drauf. Bei langen Haaren erweisen sich die roten Tücher als Kopftuch als sehr praktisch. Wer hat schon gerne Leute auf seinen Haaren stehen.

In Teil drei folgt ein ausführlicher Bericht über die ersten Auftritte.

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#sentimjunts – Wir machen Menschenpyramiden bei den Castellers – 1. Teil

In anderen Blogeinträgen haben wir schon über die katalanischen Tradition der Castells berichtet.

Die Tradition hat uns über die Jahre so begeistert, dass in mir der Wunsch gewachsen ist, das mal zu lernen. Tarragona ist wahrlich der beste Ort, da dort zwei der drei besten Collas (Vereine) sind. September ist darüber hinaus der Monat mit den meisten Auftritten und Veranstaltungen, so dass man auch gleich die Chance hat viel zu erleben.

Eine Email mit der kurzen Frage, ob ich mal mitmachen dürfe, wurde innerhalb von 15 Minuten mit: „Ja klar, komm vorbei“ beantwortet.

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Montblanc

Letzte Woche machten wir uns auf zu einem Besuch in Montblanc, einer Kleinstadt in der Nähe von Tarragona und nicht zu verwechseln mit dem Berg an der französisch-italienischen Grenze.

Anlässlich der Festes de la Serra, dem Stadtfest von Montblanc, wurde am 8. September das Gefolge (seguici popular) gezeigt. Dazu gehören zum Beispiel die Giganten (Els Gegants)

Els Gegants
Els Gegants

… die Dämonen (Els Dimonis)

Els Dimonis
Els Dimonis

… sowie die Bestien (Bestiari), zu denen wiederum zum Beispiel der Adler (Àguila)…

Àguila
Àguila

… die feuerspeiende Cucafera

Cucafera
Cucafera

… und der Drache (El Drac) gehören.

El Drac
El Drac

Auch abseits des Festes ist Montblanc wegen seiner mittelalterlichen Altstadt…

Altstadt von Montblanc
Altstadt von Montblanc

…mit ihrer praktisch vollständig erhaltenen Stadtmauer…

Stadtmauer von Montblanc
Stadtmauer von Montblanc

… und den Kirchen Sant Miquel…

Sant Miquel
Sant Miquel

… und Santa Maria sehr sehenswert.

Portal der Kirche Santa Maria in Montblanc
Portal der Kirche Santa Maria in Montblanc

Der Legende zufolge…

Legende von St. Georg
Legende von St. Georg

… hat in Montblanc der heilige Georg (Sant Jordi) einen Drachen getötet und die Prinzessin gerettet. Die heute noch lebenden Drachen (siehe oben) gelten als weitgehend ungefährlich, so dass die Stadt seitdem sicher ist und zum Besuch empfohlen werden kann.

Cambrils

Es ist wieder September und wir genießen wieder Katalonien. Vorgestern war Zeit für einen Ausflug nach Cambrils.

Cambrils vom Hafen aus gesehen
Cambrils vom Hafen aus gesehen

Cambrils hat zwei Ortskerne, zum einen den Bereich um den Hafen und zum anderen das historische Stadtzentrum, das ein klein wenig weiter im Landesinneren liegt. Der Hafen wird vom historischen Turm beschützt.

Turm am Hafen von Cambrils
Turm am Hafen von Cambrils

Der Hafen ist nicht nur für Sportboote und Ausflugsschiffe, sondern vor allem auch für den Fischfang wichtig. Der rote Leuchtturm markiert die Einfahrt.

Roter Leuchtturm von Cambrils
Roter Leuchtturm von Cambrils

Im historischen Stadtzentrum steht die Kirche Santa Maria.

Kirche Santa Maria in Cambrils
Kirche Santa Maria in Cambrils

Die Straße vor der Kirche war untertunnelt und bot während des spanischen Bürgerkriegs der Zivilbevölkerung Schutz vor Angriffen der Franquisten.

Die Sichel-Stele (Estela Falç) vor der in Teilen erhaltenen historischen Stadtmauer erinnert an einen früheren Krieg: Zu Beginn des Aufstandes der Schnitter (Guerra dels Segadors) wurde im Jahr 1640 die Stadt Cambrils belagert. In der katalanischen Nationalhymne heißt es heute übersetzt: „Ein guter Schlag mit der Sichel, Verteidiger des Landes!“

Estela Falç
Estela Falç

Columbus

Wenn man in Frankfurt wohnt, ist man enge Straßen, Verkehr und enge Wohnungen gewohnt. Columbus bietet hier einen sehr starken Kontrast. Die Straßen sind unglaublich breit und es gibt sehr wenig Autoverkehr. Eigentlich könnte man zu jederzeit einfach auf die Straße taumeln, ohne dass man auf ein Auto treffen würde.

Relativ schnell, wenn man das Kongressgelände verlässt kommt man in Wohngebiete mit Einfamilienhäusern. Hintergrund ist das Ziel der amerikanischen Regierungen, dass sich jeder Eigentum vorzugsweise ein Haus leisten können soll. So wohnen wirklich ca. 67% im eigenen Haus (bei den „weißen Amerikanern“ sind es sogar 70%) während in Deutschland nur ungefähr 47% Wohneigentum haben.

 

 

 

Position:N High St,Columbus

Poster Session

Auf der IFLA sollte man immer auch zu den Postern gehen. Hier hat man die Möglichkeit sich verschiedene Projekte in Ruhe anzusehen und mit den Präsentierend direkt in Kontakt zu kommen.

Anbei eine kleine willkürliche Auswahl von Postern, die ich interessant fand.

„Design and Implementation of a Mobile Web OPAC for Digital Kids in South Korea“

zeigt wie ein Katalog für Kinder aufgebaut wird. Diese Herangehensweise fand ich sehr interessant, da sie meiner Meinung nach auch für andere Nutzergruppen sinnvoll sein könnte.

 

Eine ganz andere Nutzergruppe hat die kubanische Nationalbibliothek mit dem Projekt eine Bibliothek für Senioren anzubieten. Da Kuba wie auch viele europäische Länder eine ständig alternde Gesellschaft hat wird hier eine Nutzergruppe angesprochen, die immer größer werden wird und viel Zeit hat und größeren Nutzen aus Bibliotheksdiensten ziehen könnte.

 

Wahrscheinlich irgendwo zwischen den beiden Nutzergruppen ist die Zielgruppe von OER: Open Education Resources. .

Das Poster von Sabine Stummeyer zeigt die Möglichkeiten und Vorteile dieser Ressourcen und fordert Bibliotheken auf sich mit diesen Ressourcen zu beschäftigen und Infrastruktur dafür bereit zu stellen.

Das Potential dieser Art von Ressourcen, insbesondere wenn diese Qualitätsgesichert sind, ist meiner Meinung nach enorm und ähnelt den Möglichkeiten von Wikipedia. In der Fülle von Informationen im Internet brauchen Menschen immer noch verlässliche Werke die Ihnen eine Überblick und eine Einführung in die jeweiligen Themen geben. Kostenlose Werke, die Menschen ortsunabhängig die Möglichkeit eröffnen sich in einem beliebigen Gebiet weiterbilden zu können bringt die Gesellschaften einen Schritt weiter in die Richtung von demokratisierter Bildung.