Schlecht kopiert

Endlich äußert sich der König zur Lage in Katalonien – und tut nichts anderes, als das Narrativ der PP nachzuplappern. Natürlich sind nur die Katalanen schuld. Es folgt kein Wort über die Polizeigewalt vom 1. Oktober, kein Wort über die seit Jahren verweigerte Dialogbereitschaft der Zentralregierung.

Das muss man sich überhaupt erst mal auf der Zunge zergehen lassen: Ein nicht gewählter Monarch, der allein kraft seiner Geburt (und wegen Diktator Francisco Franco!) nicht nur König der Kastilier, sondern eben auch der Katalanen sein will, bezichtigt diese, nicht demokratisch zu sein.

Oder hat Felipe vielleicht versucht, den belgischen König Albert nachzuahmen, der 2006 ebenfalls die Aufgabe hatte, sein Land vor dem Zerfall zu bewahren und vor Separatismus zu warnen? Das hat dieser aber wesentlich besser angestellt, eben weil er die Schuld nicht nur auf einer Seite gesucht, sondern stattdessen versucht hat, zu vermitteln.

In beiden Fällen hat Felipe schlecht kopiert. Er gießt noch Öl ins Feuer und trägt nur dazu bei, dass die Unabhängigkeitsbewegung noch mehr erstarkt – weil die Katalanen mit diesem Spanien nichts mehr zu tun haben wollen.

Ein-Mann-Demo vor dem spanischen Königspalast
Aus aktuellem Anlass: Ein-Mann-Demo vor dem Königspalast, 2013

 

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