Mit dem Zug zum Montserrat

Unser letzter Urlaub in Katalonien ist jetzt schon über sieben Monate her, der nächste liegt noch vier Monate in der Zukunft. Also eine Zeit, um ein wenig in Erinnerungen zu schwelgen und gleichzeitig Zeit für Vorfreude.

Einer unserer Ausflüge führte uns letzten September mit der Bahn zum heiligen Berg der Katalanen, dem Montserrat. Ausgangspunkt der Reise war Tarragona, nur echt mit Kathedrale, …

Kathedrale von Tarragona
Kathedrale von Tarragona

Menschentürmen…

9de8 der Colla Jove Xiquets de Tarragona am 11.9.2016
9de8 der Colla Jove Xiquets de Tarragona am 11.9.2016

und Talgo-Zügen.

RENFE 252 in Altaria-Lackierung im Bahnhof Tarragona
RENFE 252 in Altaria-Lackierung im Bahnhof Tarragona

Hier hat eine 252 mit alter „Altaria“-Lackierung einen Zug aus Talgo-6-Wagen am Haken. Die Talgo-6-Züge haben einen dieselbetriebenen Generatorwagen dabei und sind somit gänzlich unabhängig von einer Stromversorgung über die Zugsammelschiene. Die Bezeichnung Altaria wird von der RENFE nicht überall verwendet, auf der Mittelmeerstrecke nach Süden fahren die Züge schlicht als „Talgo“.

Für unseren Ausflug zum Montserrat haben wir die Talgo-Züge aber nicht genutzt, denn es gibt keinen Zwischenhalt bis Barcelona. Der Montserrat ist von Barcelona aus über eine Bahnstrecke der katalanischen Eisenbahn (Ferrocarriles de Generalitat de Catalunya, FGC) angebunden. Ausgangspunkt der Meterspur-Strecke ist der Plaça Espanya. Von Tarragona aus führt der direkte Weg™ aber nicht über Barcelona, sondern über zunächst mit Umstieg in Sant Vicenç de Calders mit den Rodalies genannten Vorortzügen nach Martorell, wo in die Züge der FGC umgestiegen werden kann.

Bahnhof Martorell mit Rodalies-Triebwagen
Bahnhof Martorell mit Rodalies-Triebwagen

Die mit einer 1500 V-Oberleitung elektrifizierte FGC-Strecke von Barcelona über Martorell und weiter nach Igualada oder am Fuß des Montserrat entlang nach Manresa wird auch Metro de Baix Llobregat genannt und ist betrieblich recht interessant. Während am unterirdischen Streckenbeginn in Barcelona die Linie noch einer U-Bahn gleicht (und auch Züge mit der U-Bahn-Liniennummer L8 unterwegs sind) wandelt sich der Charakter zunächst zu einer Vorort- und hinter Martorell zu einer teils eingleisigen Regionalstrecke. Zusätzlich zu den Personenzügen im dichten Taktverkehr verkehren auch zahlreiche Güterzüge. (Leider ohne eigenes Foto, aber mit Links.) Die auch als „Autometro“ bezeichneten Züge von den SEAT-Werken in Martorell zum Hafen von Barcelona sind zumeist von Dieselloks, aber seit neuestem auch von Zweikraftlokomotiven, die von der baskischen Euskotren übernommen wurden, bespannt.

FGC-Reihe 213 in Monistrol de Montserrat
FGC-Reihe 213 in Monistrol de Montserrat

Die Regionalzüge der Linie R5 Barcelona-Manresa werden mit modernen, dreiteiligen Alstom-Triebwagen der FGC-Reihe 213 gefahren, die mit Toilette und Steckdosen ausgestattet sind. Die mittlere Tür im mittleren Wagen ist niederflurig, die anderen Türen mit Stufe.

Stadler GTW der FGC in Monistrol de Montserrat
Stadler GTW der FGC in Monistrol de Montserrat

Der Montserrat selbst ist bahntechnisch gut versorgt. Der Weg nach oben kann vom Umsteigebahnhof Monistrol de Montserrat mit der Zahnradbahn zurückgelegt werden. Die 1892 eröffnete, 1957 stillgelegte und 2003 mit im Tal geänderter Streckenführung wiedereröffnete „Cremallera de Montserrat“ ist eine Spezialität, denn sie ist eine von nur zwei Zahnradbahnen auf der iberischen Halbinsel (die andere ist die Cremallera de Nuria, ebenfalls in Katalonien) und auch die dort eingesetzten Stadler GTW sind in Spanien sonst eher selten anzutreffen. Die Zahnradbahn wird ebenfalls von der FGC betrieben und ist ebenfalls meterspurig. Über eine Weichenverbindung können die im Zahnrad- und Adhäsionsbetrieb einsetzbaren Züge die Strecke nach Martorell und somit zu Wartungszwecken auch die dortigen FGC-Werkstätten erreichen.

Aeri de Montserrat
Aeri de Montserrat

An der FGC-Station Montserrat Aeri kann zur alternativen Verbindung nach oben umgestiegen werden, nämlich in die gleichnaimge Luftseilbahn. Diese wurde 1930 von der Firma Adolf Bleichert & Co. Personen-Drahtseilbahnbau GmbH aus Leipzig errichtet und ermöglicht schon auf dem Weg nach oben einen wunderbaren Ausblick. Sowohl für Zahnrad- als auch für Luftseilbahn sind Kombinationsfahrkarten von bzw. nach Barcelona erhältlich.

Vordergrund: Ausfahrt der Cremallera, Hintergrund: Bergstation der Aeri
Vordergrund: Ausfahrt der Cremallera, Hintergrund: Bergstation der Aeri

Und was macht man, wenn man an der Bergstation angekommen ist? Richtig, man steigt in eine der beiden Standseilbahnen um. Eine davon (Funicular de Sant Joan) bringt den Fahrgast dann noch weiter nach oben (die andere, Funicular de Santa Cova, dagegen ein Stück nach unten), wo ihn eine phantastische Aussicht, einzigartige Gesteinsformationen und die ein- oder andere kleine Kapelle erwarten. Damit man schon während der Fahrt die Aussicht genießen kann, sind die Fahrzeuge mit Glasdächern ausgestattet.

Bergstation Montserrat-Monestir
Bergstation Montserrat-Monestir

 

Funicular de Sant Joan
Funicular de Sant Joan

 

Funicular de Sant Joan
Funicular de Sant Joan

Oben angekommen kann man wandern…

Aussicht vom Montserrat
Aussicht vom Montserrat

… und die traumhafte Aussicht genießen.

Auf dem Montserrat
Auf dem Montserrat

 

Montserrat
Montserrat

Ach ja, Gerüchten zufolge soll es auf dem Montserrat auch ein weltberühmtes Kloster geben.

Monastir de Montserrat
Monastir de Montserrat

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