i can be … only a stupid bitch

Barbie stand nie wirklich für ein modernes menschenfreundliches Frauenbild, aber heute bin ich über ein Buch gestolpert, das … das … na ja … irgendwie fehlen mir die Adjektive dafür. Aber seht selbst in den nächsten Zeilen.

Can Be an Actress/I Can Be a Computer Engineer (Barbie) (Deluxe Pictureback) von Susan Marenco und weiteren bei Amazon.de

Eine Frau, der offensichtlich ein paar Rippen fehlen und die wohl durch Krebs oder Ähnliches einen Teil ihres Darms, ihrer Leber und einen Teil ihrer Nieren verloren hat, und das alles noch bevor sie 20 wurde, tut so, als würde sie ein Spiel programmieren:

Schnell löst sich dieses Mysterium aber auf und es wird klar, dass sie selbst nur die Bilder dafür malt. Das eigentliche Spiel wird selbstverständlich von männlichen Zeitgenossen programmiert.

Und genau so wie hier schon in den ersten Seiten geht es in der Geschichte weiter. Barbie zerstört versehentlich ihren Rechner und wird dann von ihren netten männlichen Freunden gerettet, in dem diese den Bildschirm der Bibliothek an eine Playstation anschließen oder so …

Am Ende gibt Barbie dann vor Skipper an, sie hätte ihren Rechner gerettet, und sackt dazu noch eine gute Note für das Spiel ein, das ihre Freunde programmiert haben.

So weit, …  so schlecht.

Was mich daran besonders ärgert ist, dass diese Geschichte ziemlich realistisch ist und Frauen auch noch suggeriert, dass es so richtig ist.

In meiner Umgebung sehe ich häufig Frauen, die sich nicht mit ihren Informatik-Problemen an männliche Zeitgenossen wenden.

Im Gegenzug habe ich es häufiger in Gruppen erlebt, dass jemand ein Computerproblem beschrieben hat und ich eine Lösung vorgeschlagen habe. Diese wurde aber in der Regel nicht gehört, da mir als Frau keine Kompetenz in dem Gebiet zugetraut wird. Ja, häufig wirkte es auf mich so, dass ich in diesem Bereich anscheinend gar nicht gehört werde. Und erst wenn sich mindestens drei Männer (mit einem ähnlichen Anteil an Halbwissen) an dem Problem erfolglos versucht haben, scheinen meine Vorschläge wahrgenommen zu werden, … die das Problem meistens lösen.

(Zur Verteidigung meiner Freunde muss ich sagen, dass mir so etwas in der Regel nicht passiert, wenn mich die Leute besser kennen.)

Also was lernen wir in dem Buch:

– Natürlich können wir als Frauen nicht richtig programmierten aber das müssen wir auch nicht. So lange wir unterernährt, blond und hübsch sind suchen wir uns einfach ein paar Männer die uns aus der Patsche helfen.

– Danach können wir uns einfach mit den fremden Federn schmücken. Das ist völlig ok, da wir ja geistig etwas behindert sind, und jeder weiß, dass wir sowas nicht komplett alleine schaffen würden.

Ganz nebenbei hat die Queen von England schon in 1945 bewiesen, dass Frauen technische Dinge lernen können:

von: http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_II.#mediaviewer/File:Hrh_Princess_Elizabeth_in_the_Auxiliary_Territorial_Service,_April_1945_TR2832.jpg

Wer sich jetzt so aufregt wie ich, kann das Buch auch mit einer neuen Geschichte versehen:

https://computer-engineer-barbie.herokuapp.com

P.S.:

Zum Körperbau von Barbie gibt es übrigens noch dieses Spiel, wo der Thorax aber plötzlich wieder reale Größe hat: http://www.medizin-spiele-online-spielen.de/barbie-beim-anatomie-unterricht

7 Gedanken zu „i can be … only a stupid bitch

  1. Ich stimme dem im Wesentlichen zu. Immerhin steht die Bibliothek hier in einem guten Licht… Übrigens ist durchaus eine Entwicklung bei Barbie zu erkennen. Früher hätte sie nämlich gar nicht gearbeitet.
    Und persönlich hatte ich das Problem, dass mir jemand die Lösung eines Computerproblems nicht zu traut, weil ich eine Frau bin, zum Glück noch nicht.

  2. Na ja häufig passiert es mir auch nicht mehr. Aber gerade letzte Woche hatte ich so ein seltsames Gespräch mit meinem Ehemann:
    Er: Mist für den Ausbau der Festplatte brauche ich eine Torx T8 Schraubenzieher.
    Ich: So ein Bit habe ich bei den andern Bits. Musst du nur in den Schraubenzieher einlegen.
    Er: Nein die sind ganz selten, sowas hast du nicht.
    Ich: Ich habe auch sehr seltene Bits. Habe mich bis heute gefragt wofür die gut sind.
    Er: Mein Vater hat sich auch immer geärgert, dass er die nicht hat.
    Ich: Guck doch eben nach, da sind Torx BITs.
    Er: Das sind so sternförmige Bits, nicht die für IKEA.
    Ich: Ja ich weiß. Sind da in der Schublade.
    5 Tage später:
    Er: Jetzt habe ich die Festplatte, aber den Torx T8 Schraubenzieher gab es nicht.
    Ich: Dann nimm doch das Bit.
    Er: Kommst du morgen mit mir in die Stadt, wenn ich den Schraubenzieher kaufe.
    Ich: Ja kann ich machen… So ein Bit ist ja eh doof… das ist schon rostig und macht bestimmt die Schrauben kaputt. Außerdem wird das ja mit einem Magneten festgehalten, das macht bestimmt die Festplatte kaputt.
    (Dann habe ich es aus der Schublade selber geholt und ihm gegeben.)
    Er: Oh du hast ja Torx Bits.
    Ich: Erinnerst du dich an meinen Blogeintrag vom 26.11.

    1. Schuldig im Sinne Anklage. Und das Bit war nicht mal wirklich rostig und hat auch die Schrauben nicht kaputtgemacht. Aber zu meiner Verteigung: Diese Torx-Schrauben sind ja auch selten…

  3. Darf ich Dir als Wiedergutmachung noch zwei tolle Positiv-Beispiele anbieten, die im Zusammenhang mit dem Thema „Computer Engineer“ sogar besser passen als die Queen? Als erste Programmiererin der Welt gilt Ada Lovelace und die Erfinderin des Compilers war Grace Hopper.

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